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A. Clausen, V. Clausen, K. Klein
Inhalt
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(im PDF-Format)
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Kinderernährung - Gedanken zum Thema
Die Autoren widmen die vorliegende E-Learning-Einheit Christian, Christine, Hendrik, Henriette und Johannes, die, ohne sich dagegen wehren zu können, die Ansichten ihrer Eltern zum Thema Ernährungserziehung über sich ergehen lassen müssen, gleichwohl aber dabei einen sehr zufriedenen, fröhlichen und gesunden Eindruck machen. |
Essen und Trinken gehört zu den bevorzugten Themen der Medien - nicht zu Unrecht, denn es herrscht ein allgemeines Interesse für diese grundlegende Tätigkeit jedes Menschen. Bei der Bearbeitung des Sachkomplexes beschäftigt man sich meist mit Rezepten, idealen Schlankheitsdiäten und immer mal wieder auch mit dem einen oder anderen Lebensmittelskandal.
Die Ernährung des Kindes spielt leider nur zu oft eine untergeordnete Rolle. Hauptinformant zu diesem Thema ist, zumindest in den ersten zwei Lebensjahren, der Kinderarzt - und natürlich die Werbung, die Müttern und Vätern das Wie einer gesunden Kinderernährung suggerieren möchte.
Gibt es Regeln, nach denen Kinder versorgt werden müssen, und wenn ja: Wie lauten sie? Gibt es Gefährdungen, denen ein Kind auf dem Weg zum Erwachsenen ausgesetzt ist und deren negative Folgen den betroffenen Menschen ein ganzes Leben lang begleiten? Wie ehrlich ist kommerzielle Ernährungsinformation, sprich Werbung? Diese und viele andere Fragen tauchen bei einer ersten Begegnung mit dem Thema Kinderernährung spontan auf. Die auf den nächsten Seiten folgende sachliche Erschließung des Themas soll Antworten geben und dazu beitragen, wie diese wissenschaftlich fundierten Informationen in verständlicher und übersichtlicher Form an die betroffenen Personen, also die Eltern, weitergegeben werden können.
Vielleicht ist an dieser Stelle der Hinweis wichtig und hilfreich, dass die Autoren dieses Seminars nicht nur Ernährungs- bzw. Naturwissenschaftler, sondern gleichzeitig auch Eltern sind, die sich sehr wohl auch in die praktischen Probleme aller Erziehungsberechtigten hineinversetzen können. Oder anders gesagt: Die Theorie in diesem Abschnitt ist nicht grau, sondern durchaus praxiserprobt.
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Das Kindergartenalter - Ende oder Anfang aller Probleme?
Wussten Sie, ...
(Holtmeier, 1986/CMA, 1992) |
Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es noch relativ einfache Regeln, deren Umsetzung auch in der Familie nicht übermäßig schwer fällt. (Auch wenn sich viele von uns noch an die zahlreichen Probleme mit ewig erbrechenden, unersättlichen, völlig appetitlosen oder ständig unter Verdauungsschwierigkeiten leidenden Kindern erinnern.)
Mit dem Kindergartenalter scheinen Probleme dieser Art vom Tisch. Ab jetzt könnte das Kind eigentlich alles essen, die Integration in den Ablauf der familiären Mahlzeitenrituale ist gelungen!? Irrtum, erst jetzt fängt die so wichtige Ernährungserziehung richtig an, denn gerade nun ist das Kind (störenden) Umwelteinflüssen wirklich ausgesetzt. Es muss sich nämlich auch mit seinen Essgewohnheiten in seiner Umgebung behaupten, und in diesem Moment ist die Ernährung nicht mehr bloß ein physiologisches, sondern auch und gerade ein soziologisches Problem. Und dieser Aspekt begleitet jeden einzelnen von uns auf dem künftigen Lebensweg.
Bei Kindern, die bereits ältere Geschwister haben, beginnt die Konfrontation zwischen Wunsch und Wirklichkeit übrigens etwas früher, da hier das Vorbild der Älteren (Umgang mit Süßigkeiten etc.) eine große Rolle spielt.
Zwischen der richtigen Ernährung des Heranwachsenden und der jetzt überwundenen Säuglingskost, aber auch zu dem richtigen Essverhalten des Erwachsenen liegen große Unterschiede, die häufig übersehen werden. Die Folge davon ist, dass nur etwa die Hälfte der 3 - 17-jährigen normalgewichtig ist. Jeder fünfte dieser Kinder und Jugendlichen ist bereits übergewichtig, etwa 45 % wiegen zu wenig.
Während dieser Altersspanne mit enormen Wachstumsschüben haben Kinder einen großen Bedarf sowohl an Energie (Kalorien) als auch an Nährstoffen in einer bestimmten Zusammensetzung. Bekommt ein Kind jetzt nicht ausreichend davon oder sind die Anteile extrem verschoben, so sind Defizite bei der späteren körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit die Folge. Diese Ernährungsfehler sind dann kaum mehr reparabel. Hauptgrund für derartige Ernährungsfehler ist nach aller Erfahrung das mangelnde Wissen bei Eltern, Erziehern, Lehrern und den Kindern/Jugendlichen selbst. Man begehe bitte nicht den schlimmen Fehler, Eltern einen bewusst leichtfertigen Umgang mit der Materie zu unterstellen. Jeder verantwortungsbewusste Erziehungsberechtigte hat die besten Absichten, die es oft nur in die richtige Richtung zu kanalisieren gilt.
Im bundesrepublikanischen Alltag sieht es statistisch derzeit so aus, dass die meisten Kinder zwar kalorienmäßig (noch) nicht zuviel essen (der natürliche Sättigungsmechanismus funktioniert noch), jedoch: Der Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und mehrfach ungesättigten Fettsäuren stimmt einfach nicht. Auch das Verhältnis der Hauptnährstoffe (Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett) zueinander ist vor allem zu Ungunsten der komplexen Kohlenhydrate wie beispielsweise Stärke verschoben.
Konkret heißt das: Es wird viel zuviel Zucker in Form von Naschereien, süßen Getränken und speziellen Kinderprodukten (Schnitten, Joghurts, "Zwerge") aufgenommen, und die Kinder essen zuviel Fleisch und Wurst. Sie trinken viel zu wenig, und wenn, dann das Falsche. Milch und Milchprodukte werden sehr viel weniger verzehrt als früher, damit stimmt die Calciumversorgung nicht mehr.
Nur einige wenige, wenn man so will goldene Regeln helfen, damit die Verhältnisse beim Essen wieder stimmen. Anstelle einer detaillierten Auflistung an dieser Stelle sei auf das Arbeitsblatt 1 verwiesen.
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Essen - Grundlage von Gesundheit und Krankheit
Die Ursachen ernährungsbedingter Krankheiten liegen oft in der Kindheit! Kurzfristig entstehende Krankheiten Ernährungsfehler Langfristig entstehende Krankheiten Prävention verhindert Krankheit Fettgehalt der Nahrung Nicht verunsichern lassen!
Beim Kochen von Puddingen etc. spart fettarme Milch der ganzen Familie immerhin 180 kcal pro Liter, Magermilch sogar 300 kcal/Liter.
"In Deutschland weisen nur zwei Gruppen (Patienten mit bilanzierter Diät und Säuglinge, die ausschließlich mit Säuglingsflaschennahrung ernährt werden) eine zufriedenstellende Jodversorgung auf." DGE, 1992 Manchmal sind Ernärhungstipps unbequem, beeinflussen sie doch sehr direkt den Alltag jedes einzelnen. Der mündige Bürger hat die Wahl, er muss nur wissen, dass er oft genug eigentlich gar keine Wahl hat.
Zahnprobleme haben sehr viel mit gesunder Ernährung zu tun! |
Die Folgen einer ungesunden Ernährung sind die oft zitierten ernährungsbedingten Krankheiten, die, von Ausnahmen einmal abgesehen, meist erst im Erwachsenenalter auftreten. Ihre Ursachen jedoch liegen bereits im Kindesalter begründet, denn hier werden die falschen Ernährungsgewohnheiten geprägt. Ernährung ist also immer auch verbunden mit der Gefahr, bei Fehlern an einer dieser Krankheiten zu erkranken. Kenntnisse über die wichtigsten ernährungsabhängigen Krankheiten helfen bei einer erfolgreichen Prävention. Und wie gesagt: Auch die Ernährung des Kindes hat Auswirkungen auf spätere gesundheitliche Probleme.
Grundsätzlich liegt immer ein Mangel oder auch ein Überschuss eines bestimmten Nahrungsfaktors (Nährstoff) vor, häufig auch eine Kombination von beidem. Jede langfristig falsche Ernährung rächt sich zu einem späteren Zeitpunkt. Dies geschieht je nach Ausprägung und weiteren begünstigenden Faktoren bei dem einen Menschen früher, beim anderen später (und natürlich kennt auch jeder von uns einen Fall, bei dem es sich gar nicht rächt, aber wir sollten uns davor hüten, die Ausnahme zur Regel umzudefinieren).
So kann eine sehr fettreiche Ernährung zu Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht, Diabetes, Gicht, Bluthochdruck und anderen Krankheiten führen, wobei jedes Leiden auch wiederum die Entstehung der anderen begünstigt. Zusätzliche beeinflussende Faktoren sind Vererbung, Stress, körperliche Inaktivität und möglicherweise sogar die Persönlichkeit bzw. der Charakter.
Bei den Krankheiten, denen durch eine angemessene Ernährung vorgebeugt werden kann, muss zwischen zwei Gruppen unterschieden werden. Zum einen sind da jene, die aufgrund von Mangel oder Überschuss direkt entstehen und zum anderen solche, die sich nur langfristig entwickeln.
Zur ersten Gruppe gehören bei uns die Rachitis aufgrund eines Vitamin D-Mangels, der Jodmangelkropf, die Eisenmangelanämie oder auch das Übergewicht. In Entwicklungsländern sind es beispielsweise Erblindungen durch Vitamin-A-Mangel, Skorbut durch einen Vitamin-C-Mangel oder Kwashiorkor als Eiweißmangelkrankheit.
Als langfristig begründete Krankheiten gelten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, der Typ II- oder Altersdiabetes (nicht insulinabhängig), Gicht, Osteoporose, verschiedene Darmerkrankungen und mit größter Wahrscheinlichkeit auch bestimmte Krebsarten. Bei allen diesen Krankheiten genügt es jedoch nicht, dass eine falsche Essgewohnheit vorliegt, es handelt sich immer um ein Zusammentreffen mehrerer Faktoren, von denen einige auch ernährungsunabhängig sind. Gleiches gilt für Karies, der am weitesten verbreiteten Zivilisationskrankheit. Durch die sehr enge Beziehung zur Ernährung genügt hier bereits ein sehr kurzer Entwicklungszeitraum. Kariös zerstörte Milchzähne lassen sich bei entsprechend falschen Verhaltensweisen bereits bei Dreijährigen feststellen.
Für die wichtigsten Erkrankungen sollen im Folgenden die bedeutungsvollsten Präventionsmaßnahmen dargestellt werden. Alle diese Regeln in ihrem Gesamtzusammenhang gesehen ermöglichen die bestmögliche Prävention der Zivilisationskrankheiten, zumindest dann, wenn sie bereits im Kindesalter befolgt werden. Neben den hier aufgeführten Ernährungsrichtlinien sind weiterhin die regelmäßige körperliche Bewegung (über den Schulsport hinausgehend) und das Nichtrauchen von entscheidender Bedeutung.
Wichtig erscheint uns immer wieder der Hinweis auf die Tatsache, dass richtiges Ernährungsverhalten in einem sozialen Zusammenhang mit der Umwelt steht und viele verschiedene Faktoren die Umsetzung auch von verinnerlichter Information beeinflussen. Beim Umgang mit Kindern ist sicherlich ein konsequentes Vorbild der Eltern ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Schritt auf dem Weg zum gesund entwickelten Erwachsenen.
Bei einer globalen Betrachtung sollte der Prävention der in dieser Gruppe zusammengefassten Krankheiten nicht zuletzt aus volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Immerhin entfallen fast die Hälfte der Kosten der ernährungsabhängigen Krankheiten, im Jahre 1993 insgesamt mehr als 100 Mrd. DM im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, auf diese Erkrankungsgruppe.
In Deutschland sind sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen hohe durchschnittliche Serumcholesterinspiegel festzustellen, die den wichtigsten Risikofaktor beispielsweise für den Herzinfarkt darstellen.
In entsprechende Empfehlungen umgesetzt, lässt sich das relativ einfach durch weniger tierische Lebensmittel (vor allem weniger Wurst und Fleisch), und verstärkt pflanzliche Produkte, speziell Vollkorngetreideprodukte und Gemüse, erreichen. Unter Umständen muss auch bei Milchprodukten auf fettärmere Sorten (1,5 % bei Milch und Sauermilch, 30 % F.i.Tr. bei Schnittkäse) geachtet werden.
Die Wirksamkeit einer solchen Ernährungsform wird in letzter Zeit häufiger in Frage gestellt. Das bezieht sich aber immer nur auf die Effektivität bei einer bereits bestehenden Hypercholesterinämie von Männern mittleren Alters, nicht dagegen auf die Bedeutung als Präventionsernährung, die dazu dient, den Cholesterinspiegel von Kindheit an niedrig zu halten.
Osteoporose ist eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels, bei der es durch einen Verlust an Knochenmasse zu einer erhöhten Bruchanfälligkeit besonders der Extremitäten kommt. Besonders betroffen davon sind Frauen nach den Wechseljahren, aber auch immer mehr Männer leiden an dieser Krankheit. Derzeit gibt es etwa 5 - 7 Millionen Betroffene in Deutschland.
Nach Meinung der Experten muss die Prävention dieser Erkrankung im Kindesalter mit einem möglichst nachhaltigen Aufbau von Knochenmasse begonnen werden. Da physiologisch bedingt die Knochenabbaurate ab etwa dem 30. Lebensjahr den Knochenaufbau überwiegt, kommt es ganz automatisch zu einer Reduzierung von Knochenmasse. Je höher das Ausgangsniveau ist, desto größer ist der Schutz vor Osteoporose.
Die wichtigste Präventionsmaßnahme neben regelmäßiger körperlicher Bewegung (über den Schulsport hinausgehend), Nichtrauchen (speziell bei Mädchen) und einem nur mäßigen, keinesfalls regelmäßigen Alkoholkonsum ist die Ernährung. Nur durch eine ausreichende Zufuhr von Calcium kann genügend Knochenmasse aufgebaut werden. Die bedeutendsten Calciumquellen sind für jede Altersgruppe Milch und Milchprodukte, also Käse, Joghurt, Dickmilch, Kefir, Buttermilch usw.
Auch hier gilt wieder die Regel: Möglichst fettarme Produkte sind zu bevorzugen. Ab etwa dem dritten Lebensjahr kann anstelle von Vollmilch fettarme Milch gegeben werden, vorher ist Vollmilch wegen des Gehalts an fettlöslichen Vitaminen (speziell Vitamin A und D) zu bevorzugen. Gibt es keine Gewichtsprobleme, kann Vollmilch natürlich auch weiterhin, beispielsweise aus Geschmacksgründen, getrunken werden.
Wegen des hohen Zuckergehalts etwa der Fruchtjoghurts sind naturbelassene Produkte, die statt der üblichen Fruchtzubereitung mit Obst und/oder Getreideflocken angereichert/gesüßt werden, günstiger zu bewerten.
Quark ist zwar sehr eiweißreich, hat aber im Hinblick auf die Osteoporoseprävention keine besonderen Qualitäten. Ganz im Gegenteil ist sogar das Calcium-Phosphor-Verhältnis, welches möglicherweise Einfluss auf den Calciumeinbau in den Knochen hat, relativ ungünstig. Quark ist eigentlich nur dann sinnvoll, wenn Kinder weder Fleisch noch Wurst oder Fisch essen. Dann kann es eine gute Ergänzung zum Eiweiß aus anderen Milchprodukten, Getreide und Ei darstellen.
Der Kropf, auch Struma genannt, ist eine durch zuwenig Jod im Essen hervorgerufene Schilddrüsenvergrößerung. Eine Krankheit, so "überflüssig wie ein Kropf"!
Derzeit haben etwa 30 % der Erwachsenen in Deutschland einen Kropf, bei Kindern schwanken die Zahlen zwischen 13 und 50 %, je nach Alter und Geschlecht. 50 % aller Kröpfe entstehen vor dem 20. Lebensjahr! Durch eine rechtzeitige Vorbeugung kann die Entstehung bei Kindern verhindert werden.
Jod ist wichtig zur Bildung der Schilddrüsenhormone. Diese regen im Kindesalter alle Körperzellen an, um das Wachstum zu fördern. Bereits eine geringe Vergrößerung der Schilddrüse kann unmittelbar nach der Geburt die Atmung eines Babys behindern und zu Schluckbeschwerden führen. Schwerste Auswirkungen eines Jodmangels sind Taubstummheit, Kleinwüchsigkeit und Kretinismus.
Die reale tägliche Jodaufnahme liegt bei Kindern und Jugendlichen im Schnitt zwischen 30 und 70 µg, gegenüber einer empfohlenen Zufuhr von 100-200 µg. Und so steigt mit zunehmendem Alter der Kinder auch die Kropfhäufigkeit deutlich an. Sind zur Einschulung ca. 8,3 % der Mädchen und 7,3 % der Jungen betroffen, so steigert sich das, regional etwas verschieden, auf bis zu 30 % der Jungen und 40 % der Mädchen. Gerade in der Pubertät, wo dann sogar 50 % der Mädchen betroffen sind, kommen somit zu den üblichen Schwierigkeiten in dieser Altersgruppe auch noch Störungen der neuropsychischen Entwicklung wie Lern- und Merkschwierigkeiten aufgrund einer vergrößerten Schilddrüse hinzu. Außerdem besteht bei einer Hypothyreose, welche mit einer Hypercholesterinämie einhergeht, zusätzlich die Gefahr einer vorzeitigen Arteriosklerose.
Übrigens: Weitere Merkmale eines ausgeprägten Jodmangels bei Schulkindern sind Antriebsarmut, psychische Labilität, verzögertes Wachstum, Hör- und Sprachschwierigkeiten.
Ausreichend Jod im Essen wird durch reichlich Milchprodukte, zwei Fischmahlzeiten pro Woche und die Verwendung von jodiertem Speisesalz im Haushalt und in Fertigprodukten wie Brot, Wurst usw. erreicht. Bei letzteren muss auf die Kennzeichnung geachtet werden, da längst nicht alle Hersteller die gesetzlichen Möglichkeiten zur so wichtigen Jodierung nutzen.
Gerade bei den Empfehlungen zur Jodmangelproblematik lässt sich ein immer wiederkehrendes Hemmnis einer gesunden Ernährungsweise deutlich machen. Die Rede ist von der Diskrepanz zwischen den vermeintlich unrealistischen Ratschlägen, die "ja so überhaupt nicht einzuhalten" sind und der tatsächlichen Akzeptanz von Ernährungstipps. Doch sollte immer wieder betont werden: Niemand hat behauptet, dass eine Ernährungsumstellung, die meist mit einer Bewusstseinsänderung einhergehen muss, leicht und quasi en passant zu erreichen ist. Mühe gehört schon dazu, und traurigerweise kann oft kein direkter Erfolg der Maßnahmen beobachtet werden. Natürlich haben viele Menschen Probleme mit den angegebenen zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Und doch gibt es eben hier keine Alternative, ist doch bereits die Verwendung von Jodsalz ein künstlicher Eingriff in die Zusammenstellung der Nahrung.
50 % der Dreijährigen und 90 % der Schulanfänger haben bereits Karies. Neben der richtigen Zahnpflege spielt, wie könnte es anders sein, die Ernährung die größte Rolle. Dabei ist nicht nur der Zuckergehalt der Nahrung (Süßigkeiten!) eine wichtige Kenngröße für das Gefährdungspotential des Lebensmittels. Auch andere Kohlenhydrate (sogenannte zuckerfreie Lebensmittel) wie Maltodextrin, Honig oder Stärke sind kariogen. Besonders gefährlich sind alle jene Süßigkeiten und Lebensmittel, die leicht an den Zähnen kleben und damit längeren Kontakt mit diesen haben. Dazu zählen als Extrembeispiele Karamellbonbons und Honig. Gleiches gilt für das ständige Benetzen der Zähne mit zuckerhaltigen Flüssigkeiten, beispielsweise Kindertees oder auch Fruchtsäfte, die aus Saugflaschen (Baby-Bottle-Syndrom) oder mit Strohhalmen getrunken werden. Saugflaschen sollten spätestens ab dem l. Lebensjahr durch richtige Tassen oder Becher ersetzt werden. Auch ein langfristiges Stillen (länger als 1 Jahr) kann zu schweren Kariesschäden der vorderen Milchzähne führen.
Eine besonders zahnschädigende Wirkung haben Nahrungsmittel, die außer Zucker auch noch Säuren enthalten, also Cola oder Fruchtsaft(-getränke) sowie Kombinationen von Stärke und Zucker (Banane, Marmeladen-Weißbrot). Ein Apfel ist deswegen auch weder als Zahnputzersatz noch als Betthupferl geeignet.
Milch und Milchmischgetränke (auch mit Zucker) sind dagegen zahnschonend. Wichtig ist außerdem ein kräftiges, zum Kauen anregendes Essen (Vollkornbrot, Gemüserohkost). Dadurch wird der reinigende, neutralisierende Speichelfluss gefördert.
Ansonsten hilft lediglich eine konsequente Zahnpflege. Das bedeutet, dass spätestens mit Erscheinen des ersten Zahnes das Zähneputzen mit entsprechenden, altersgerechten Hilfsmitteln beginnen sollte. Mit der Zeit müssen die Kinder dazu angehalten werden, mindestens zweimal täglich nach den Mahlzeiten (morgens und abends) die Zähne zu putzen/geputzt zu bekommen. Besser noch wäre es nach jeder Mahlzeit, speziell nach jedem Naschen. Doch wo bleibt das Vorbild der Erwachsenen, wenn bei Umfragen immer wieder aufgedeckt wird, dass noch nicht einmal jeder Deutsche eine eigene Zahnbürste besitzt?
Zahnpasta ist im allgemeinen dann angeraten, wenn das Kind auf Aufforderung ausspucken kann. Aber auch dann sollte, wegen des geringeren Fluoridgehaltes, eine spezielle Kinderzahnpasta verwendet werden.
Als weitere prophylaktische Maßnahme ist noch die Einnahme von Fluoridtabletten, sogenannten Fluoretten, zu nennen. Beim Säugling werden diese in Kombination mit Vitamin D (Rachitisprophylaxe) gegeben, ab dem 2. Lebensjahr sind es reine altersgemäß dosierte Fluoridtabletten. Teilweise wird empfohlen, die Tabletten als Zahnbonbons bei den Kindern einzurühren, um die Assoziation mit Medikamenten und die selbstverständliche tägliche Einnahme von Arznei gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Eine andere sinnvolle Alternative ist die Verwendung von kombiniertem Jod-Fluor-Speisesalz. Damit wird zum einen eine Kariesprophylaxe für die ganze Familie betrieben, gleichzeitig aber auch die Jodmangelvorsorge unterstützt. Die gleichzeitige Einnahme von Fluoridtabletten aber ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung durch den Arzt (bei bestimmten Erkrankungen) erlaubt. Wichtig bei der Salzverwendung ist jedoch, dass trotz allem möglichst sparsam gesalzen wird. Fertiggerichte für Kinder sollten auf keinen Fall nachgewürzt werden.
Zahnärzte plädieren übrigens für einen süßen Tag in der Woche (im Idealfall mit jeweils anschließendem Zähneputzen) gegenüber mehreren Süßigkeiten-Zwischenmahlzeiten über die ganze Woche verteilt.
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Essen - eine Quelle des Wohlbehagens oder: Geht Liebe durch den Magen?
![]() Kinderwünsche gehören berücksichtigt! |
Essen ist weitaus mehr als nur eine biologische Notwendigkeit. Es ist ein sinnliches Vergnügen, erfüllt den Hunger nach sozialen Kontakten und macht einfach Spaß. Vor allem in Gesellschaft schmeckt das Essen doppelt gut. Diese Erfahrungen haben nicht nur Erwachsene gemacht, sie gelten für Kinder ganz genauso. Und deshalb soll, nach dem anstrengenden Krankheitenexkurs im vorhergehenden Abschnitt in diesem Kapitel die Rede von positiven Aspekten sein, die die physiologische Wirkung einer gesunden Ernährung fördern.
Als grundlegende Regel sollte für alle Familien gelten: Zumindest eine gemeinsame Mahlzeit pro Tag mit der ganzen Familie und ohne Zeitdruck ist Pflicht! Wir betonen das absichtlich auch mit dieser Wortwahl, da es eben doch auch Bereiche gibt, für die keine Kompromisse zulässig sein dürfen.
Allerdings sollten auch die Gesprächsthemen der gemütlichen Atmosphäre angepasst sein. Fragen nach Schule, Noten oder Zeugnissen gehören hier genauso wenig hin wie ständige Ermahnungen, das Erteilen von Strafen oder Strafpredigten. Auch Ablenkungen wie Fernsehen, Radio oder Lesen sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Ein Zeitung lesendes Elternteil am Frühstückstisch ist bestimmt kein gelungener Tageseinstieg, während ein fröhliches Gespräch die gute Laune fördert und auch eine Menge Schulangst nehmen kann. Auch hastiges Schlingen und morgendliche Hektik sind kein guter Beginn, statt dessen sollte die Familie lieber eine Viertelstunde früher aufstehen.
Viel trägt zu einem gelungenen Essen außer der liebevollen Zubereitung auch die Tischdekoration und die Garnierung der Mahlzeit bei. Bunte Farbtupfer durch hübsch geschnittenes Gemüse oder Obst machen aus langweiligem Essen schnell eine gern gegessene Sensation. Und bitte nicht das Argument mit dem Zeitdruck. Wir reden von wirklichen Kleinigkeiten, die, wenn sie einmal wohlüberlegt oder durch einschlägige Literatur angeregt sind, wirklich schnell zu realisieren sind.
Im übrigen sollte die ganze Familie ein Mitbestimmungsrecht bei der Speisenauswahl haben. Kinder verfügen über einen anderen Geschmack als Erwachsene. Beispielsweise können sie ohne Probleme ihr Lieblingsgericht eine ganze Woche hintereinander essen, während Erwachsene sich diesen Genuss durch Verknappung steigern und eher für besondere Gelegenheiten aufheben. Auch wenn Kinder noch so (für uns Erwachsene) merkwürdige Gewohnheiten bezüglich des Geschmacks an den Tag legen, sollte man versuchen, diese möglichst zu tolerieren und für einen entsprechenden Ausgleich bei anderen Mahlzeiten zu sorgen. Eine gute Idee könnte es sein, jedes Familienmitglied abwechselnd bestimmen zu lassen, was gegessen wird. Hier kommt es sehr auf die Vorbildfunktion der Eltern an: Akzeptieren sie die Wünsche des Kindes/der Kinder, so wird es für diese auch zur Selbstverständlichkeit werden, die Essenswünsche der Eltern anzunehmen. Natürlich wird es immer wieder das eine oder andere Gericht, die eine oder andere Beilage geben, welche absolut nicht gemocht wird. Hier sollte auch kein Zwang auf die Kinder ausgeübt werden. Schließlich bringen die Eltern ja auch keine Speisen auf den Tisch, die sie selbst nicht leiden können.
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Essen - was können Eltern falsch machen?
Ungeeignete Lebensmittel Zahnfreundliche Süßigkeiten erkennt man am Zahnmännchen, einem kleinen Zahn mit Sonnenschirm Ungeeignete Verhaltensweisen Trinken
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Nach diesem Einschub wenden wir uns wieder der ganz konkreten er nährungsphysiologischen Betrachtung des Themas zu. Was natürlich nicht ausschließt, dass zur Durchsetzung dieses kognitiven Wissens bei Kindern Geschick, Taktik und oft auch ein großes Maß an Psychologie gefragt ist.
In der Ernährungserziehung können genauso viele Fehler gemacht werden wie in der übrigen Erziehung. Zu unterscheiden ist konkret zwischen zwei Fehlermöglichkeiten. Der eine Bereich ist das Anbieten von für Kinder un-geeigneten Lebensmittel, der andere die Beeinflussung des Essverhaltens. Der erste Bereich lässt sich durch eine reine Wissensvermittlung (natürlich bei den Eltern und nur eingeschränkt bei den Kindern) schnell aufarbeiten, der zweite Bereich dagegen ist sehr viel schwieriger zu handhaben, da hier die Eltern möglicherweise jahrelange Gewohnheiten aufgeben oder zumindest modifizieren müssen.
Wenden wir uns dem ersten Bereich zu. Für Kinder ungeeignet sind zunächst einmal alle Lebensmittel, die mit Genussmitteln wie Koffein oder Alkohol versetzt sind. Dazu zählt beispielsweise auch alkoholfreies Bier. Zum einen ist dieses nicht vollständig frei von Alkohol, zum anderen wird das Kind frühzeitig auf den Geschmack von Bier gebracht und kann vor allem auch nicht zwischen "echtem" und alkoholfreiem Bier unterscheiden. Auch Kochen und Backen mit Alkohol ist für Kinder nicht günstig. Zwar verflüchtigt ein Teil des Alkohols bei Erhitzen, trotzdem können Kinder sich an das Aroma gewöhnen und später leichter auf den Geschmack und damit auch auf den Konsum kommen. Wegen des geringeren Risikos gilt dieses Verbot nicht unbedingt für das kindgerechte Gegenstück des beliebtesten Erwachsenen-Softdrinks: Kinder-Cola sollte jedoch trotzdem, wie auch andere Limonaden, Ausnahme bleiben, da es sich hierbei im Grunde nur um gefärbtes, aromatisiertes Zuckerwasser handelt, welches außer Kalorien keinerlei Nährwert besitzt. Denn unser Ziel ist doch wohl: Spaß, Genuss und Gesundheit jeweils in einem Lebensmittel vereint.
Süßstoffe gehören nicht auf den Speiseplan des gesunden Kindes. Zwar scheint ihr Einsatz bei Erwachsenen unbedenklich, für Kinder ist das bisher jedoch nicht bewiesen. Auf jeden Fall wird durch die Verwendung des Zuckerersatzes der Süßgeschmack eher noch gefördert, da es häufig zu Überdosierungen kommt.
Der einzige Vorteil dieser Süßungsmittel in der Kinderernährung: Süßstoffe wirken nicht kariogen. Es gibt jedoch durchaus auch andere zahnfreundliche Alternativen, bei Süßigkeiten finden sich am Markt eine ganze Menge nennenswerter Produkte. Diese enthalten anstelle von normalem Zucker Xylit oder Sorbit, das sind Zuckeraustauschstoffe, die genauso kalorienreich sind wie normaler Zucker. Bei größerem Verzehr wirken sie allerdings abführend, ein entsprechender Warnhinweis ist auf der Verpackung angebracht.
Ein häufiger Fehler liegt in der Beaufsichtigung des kindlichen Trinkverhaltens hinsichtlich der Menge durch die Eltern: Kindern werden zu wenig Getränke angeboten. Grundsätzlich gehört zu jeder Mahlzeit ein Getränk dazu (bei sehr dünnen Kindern das Getränk nach dem Essen reichen). Wohlgemerkt: Milch zählt nicht als Getränk; es ist immer ein vollwertiges Nahrungsmittel, von dem pro Tag mindestens 250 ml getrunken werden sollten. Kinder haben einen sehr hohen Flüssigkeitsbedarf (s. Abb. 1), der durch ungesüßte Blüten-, Frucht- oder Kräutertees, Mineralwasser und verdünnte Frucht- und/oder Gemüsesäfte gedeckt werden kann. Bei großer Hitze kann sich dieser Bedarf durchaus verdoppeln. Limonaden und Fruchtsaftgetränke oder Fruchtnektare enthalten kaum Frucht und Nährstoffe, dafür aber reichlich Zucker und sind daher nicht zu empfehlen. Außerdem nehmen sie durch den hohen Kaloriengehalt den Appetit auf das "vernünftige" Essen.
Besonders schlimm ist die Angewohnheit vieler Eltern, ihren Sprösslingen anstelle eines zweiten Frühstücks lieber Geld mitzugeben, damit sich diese unterwegs oder im Schulkiosk nach ihren Wünschen versorgen können. Zum einen haben die Eltern keinen Überblick mehr über das, was die Kinder wirklich essen, zum anderen ist das Angebot oft indiskutabel. Allerdings haben die Eltern durchaus Einfluss auf die angebotenen Speisen. Es ist nicht die alleinige Sache des Hausmeisters, was er gerne verkaufen möchte. Vielmehr werden
von Speisen und Getränken, die zum Verzehr in Pausen und Freistunden bestimmt sind, unter Beteiligung der Schulkonferenz [zusammengesetzt aus Lehrern, Eltern und Schülern] im Einvernehmen mit dem Schulträger festgelegt." § 47 Allgemeine Schulordnung des Landes Nordrhein-Westfalen
Darüber hinaus gibt es seit mehr als vier Jahren "Empfehlungen zum Verkauf von Speisen und Getränken in Schulen", welche vom Kultusministerium herausgegeben wurden und konkrete Lebensmittelvorschläge enthalten. Weitere Auskünfte geben Verbraucherzentralen, Gesundheitsämter und Krankenkassen sowie der Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung (AID) in Bonn.
Kinder lieben es vom ersten Lebenstag an, süß zu essen bzw. zu trinken, da bereits die Muttermilch einen süßen Geschmack aufweist. Der große Süßigkeitenhunger, den viele Kinder haben, ist aber nicht dadurch allein zu begründen. Und damit sind wir wieder bei dem Thema angelangt, das viele Eltern belastet und das als ein zentraler Punkt in der Problematik in der Kinderernährung angesehen wird.
Ein zweiter Grund sind die speziellen Kindernahrungsmittel (Kinderjoghurt, Kinderquark usw.), die neben einer kinderwirksamen Aufmachung durch eine besonders intensive Süße die Kinder an sich binden. Die Eltern werden gleichzeitig mit angeblichen Gesundheitsvorteilen ("mit vielen Vitaminen", "die Extraportion Milch", "zusätzliches Calcium zum Knochenaufbau") gelockt. Meist sind derartige Lebensmittel aber eher nachteilig und kosten dafür etwas mehr als die ganz gewöhnlichen. Außerdem sind sie oft aufwendig verpackt und werden in Kleinstgrößen abgegeben, die für Kinder schnell zu klein sind, so dass zwei und drei Stück auf einmal gegessen werden. Das ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll.
Eine dritte wichtige Ursache für den Süßhunger ist der Einsatz von Süßigkeiten als Erziehungsmittel. Also zur Belohnung oder zum Trost, als Ersatz für fehlende Zuwendungszeit, Entzug als Strafe, als Mittel zur Bestechung usw. Und das ist jetzt wieder eine ganz fragwürdige Sache, die natürlich mit Kinderernährung zu tun hat (wenn auch erst auf den zweiten Blick). Nicht zuletzt glauben immer noch viele Großeltern, dass das Enkelkind sie nur dann wirklich mag, wenn es von ihnen immer großzügig mit Süßigkeiten versorgt wird. Grundsätzlich sollten Eltern Besucher darum bitten, keine Süßigkeiten mitzubringen. Das lässt sich natürlich nicht immer realisieren, aber im engeren Bekannten- und Verwandtenkreis schon. Für die betroffenen Erwachsenen ist das eine (vielleicht auch unliebsame?) Herausforderung, müssen sie sich doch jetzt Gedanken um ein anderes Mitbringsel machen. Und doch ist eine mögliche Lösung relativ einfach und naheliegend: Gerade in der heutigen Zeit, wo viele Eltern oft wenig Zeit haben, die sie ausschließlich ihren Kindern widmen können, ist das größte Geschenk, was Großeltern und Verwandte den Kindern machen können, eben dieser Faktor Zeit. Zeit für ausgiebige Spiele, für Zoobesuche und Ausflüge, zum Vorlesen, Basteln - die Liste ließe sich sicherlich fortsetzen. Diese intensive Hinwendung ist für die Kinder sehr viel wichtiger als mitgebrachte Süßigkeiten (oder auch Hörspiel- bzw. Videokassetten). Mit diesen werden die Kinder nämlich wieder alleine gelassen, es gibt keine sozialen Kontakte, die Kinder werden ausgegrenzt, fühlen sich überflüssig.
Mit Zeit kann man Kinder kaum verwöhnen, auch der leicht entstehende Konsumterror lässt sich so eher beeinflussen. Mit Geld lässt sich weder echte Kinderliebe noch Zuneigung oder Sympathie erkaufen, ganz im Gegenteil, die Kinder erkennen sehr schnell, wie sie diese "Angst der Erwachsenen" für sich ausnutzen können, ihre Forderungen werden immer maßloser. Nicht zuletzt erfährt ein Kind durch hinreichende (nicht übermäßige) Zuwendung auch soviel Selbstbestätigung und Selbstwertgefühl, dass es in der Lage ist, sich mit zunehmendem Alter auch argumentativ gegen andere Meinungen durchzusetzen oder diese eben nicht mehr für so wichtig zu halten. Das gilt sowohl für das Thema Essen als auch für andere Konsumprobleme wie etwa den aktuellen Markenzwang (T-Shirts oder Jeans bestimmter Firmen etc.) des Jugendalters.
Wir geben an dieser Stelle gerne zu, dass die drastische Darstellung dieser Problematik natürlich nicht auf jeden Einzelfall zutrifft. Aber wenn es gelingt, Erziehungsberechtigten oder Familienangehörigen das Bewusstsein für diese Dinge zu öffnen und bei ihnen den "Tatsächlich, so habe ich das noch gar nicht betrachtet"-Effekt auszulösen, dann ist ein gutes Stück auch in Richtung einer gesunden Kinderernährung getan. Und hoffentlich ist im bisherigen Verlaufe der Ausführungen auch deutlich geworden, dass Süßigkeiten nicht grundsätzlich verteufelt werden, auch nicht von den Autoren.
Gesundes Essen ist immer auch ein Motivationsproblem. Während in den ersten Lebensjahren die Vorbildfunktion der Eltern besonders ausgeprägt ist und auch die natürlichen Instinkte das Essverhalten mitbestimmen, kommt mit zunehmendem Alter der Einfluss der Umwelt (Mitkindergartenkinder, Mitschüler) immer stärker zum Tragen. Dann beginnt das Kind zu fragen, warum es denn immer nur Äpfel oder Möhren mitbekommt, während andere Kinder Milchschnitten, Süßigkeiten oder Kuchen in den Pausen essen dürfen. Es will wissen, warum es morgens immer Milch trinken muss, während der Freund immer Cola trinken darf. Hier sind kindgerechte Erklärungen gefragt, die ihre Wirkung immer dann nicht verfehlen werden, wenn die Eltern dieses Essverhalten auch vorleben. Kinder, die von Anfang an Müsli, Vollkornbrot, Rohkost, ungesüßten Tee und Mineralwasser bekommen haben, betrachten diese Lebensmittel als normal und akzeptieren sie auch. Ausnahmen dürfen natürlich trotzdem von Zeit zu Zeit gemacht werden, diese sollten aber keinen konkreten Bezug zu irgendwelchen vorherigen Situationen haben. Essen ist kein Erziehungsinstrument!
Ausgangspunkt ist im allgemeinen das gemeinsame zweite Frühstück außer Haus. Hier sollten sich die Eltern unbedingt an die Richtlinien halten, die beispielsweise vom Kindergarten aufgestellt werden: Keine Süßigkeiten als Pausenbrot mitgeben, die angebotenen Getränke (meist Milch/Kakao, Tee oder Mineralwasser) für ihre Kinder akzeptieren und nicht auf Limonaden oder Fruchtsaftgetränke ausweichen. Das Pausenbrot selber sollte allerdings in Absprache mit den Kinder zusammengestellt und (nach Wunsch) auch häufig variiert werden. Kleine Überraschungen (Lieblingsobst, Radieschen-Mäuse) steigern die Akzeptanz.
Kindergarten und Grundschule bemühen sich, den Kindern die Prinzipien des gesunden Essens beizubringen. Entsprechend müssen die Eltern vorher darüber informiert werden und auch bereit sein, sich in ihren persönlichen Essgewohnheiten umzustellen. Dazu gehört auch, dass das Kind sein neu erlerntes Wissen in den Dienst der Familie stellen darf, diese sich belehren lässt und mitzieht. Dazu gehören auch Gespräche und Diskussionen über dieses Thema. Eltern und auch Großeltern dürfen ruhig eingestehen, dass sie da etwas noch nicht wussten, vielleicht zu bequem waren oder dass es ihnen aufgrund der langen Gewöhnung schwer fällt, sich umzustellen. Und sie dürfen auch die Hilfe und Unterstützung der Kinder in Anspruch nehmen.
Auf der anderen Seite sollte über das Essen bei Tisch grundsätzlich nicht lange diskutiert werden. Argumente wie "das ist aber gesund" oder "das mussten wir als Kinder auch essen" sind für den Nachwuchs keine beeindruckenden Erklärungen. Deswegen sollte ein Kind so früh wie möglich alleine bestimmen, welche der angebotenen Speisen es essen möchte. Es sollte sich nach Möglichkeit auch selber auftun. Dann lernt es schnell, sich die richtigen Mengen zu nehmen, Essenreste auf dem Teller bleiben eine Ausnahme. Kinder sollten niemals gezwungen werden, den Teller leer zu essen; dadurch kann es zu einer Störung des Sättigungsgefühls kommen. Die Folge sind oft übergewichtige Kinder und/oder spätere Erwachsene mit Gewichtsproblemen. Zumindest kommt es dann zu einem sehr restriktiven Essverhalten, um eben das Gewicht zu halten. Und dieses "Ich darf mich nie ganz satt essen" gerät in besonderen Stresssituationen dann leicht außer Kontrolle (Kummerspeck, Verhaltensstörungen wie Magersucht oder Bulimie).
Auch hier gilt: Das alles kann passieren, muss aber natürlich nicht in jedem Einzelfall. Aber wenn diese Symptome, ob bei Kindern oder bei Erwachsenen, auftreten, dann liegen die Ursachen oft in einer falschen Kinderernährung. Und das wiederum bedeutet nicht immer nur ein falsches Was, sondern oft auch ein falsches Wie.
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Was und wie viel darf´s denn sein?
vor Augen halten!!! |
Für Kinder und Jugendliche ab dem 2. Lebensjahr wird die sogenannte "optimierte Mischkost" empfohlen. Diese Lebensmittelempfehlungen orientieren sich an den bei uns üblichen Essgewohnheiten und Lebensmitteln, wobei auch die Essensvorlieben der Kinder Berücksichtigung finden. Drei Aspekte sind besonders zu beachten:
Genaue Verzehrsempfehlungen und Mengenangaben für die empfohlenen Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte und den geduldeten mit niedriger Nährstoffmenge sind detailliert im Informationsblatt Nr. 2 aufgeführt. Die dort angegebenen Mengen sollen im Tagesdurchschnitt von zwei Wochen erreicht werden. Da Kinder mengenmäßig sehr unregelmäßig essen, genügt das völlig. Werden diese Mengen nicht erreicht, der Süßigkeiten- und Fettkonsum hält sich im Rahmen und das Kind ist nicht wirklich untergewichtig, ist auch das noch kein Problem. Werden die Mengen dagegen ständig überschritten und liegt das Kind in der oberen Grenze des Gewichtstoleranzbereichs (siehe Informationsblatt Nr. 1), sollte eingeschritten werden, am besten in Rücksprache mit dem Kinderarzt und/oder Ernährungsberater.
Am geeignetsten sind, auch für Kinder, fünf Mahlzeiten pro Tag, damit der Hunger zu den Hauptmahlzeiten nicht zu groß wird. Täglich eine warme Mahlzeit für Kinder muss nicht unbedingt sein. Meistens führt diese aber zu einer größeren Vielfalt beim Essen, und die kohlenhydratreichen Beilagen wie Kartoffeln, (Natur-)Reis und (Vollkorn-)Nudeln kommen nicht zu kurz.
Die optimierte Mischkost führt trotz deutlich höherem Frischgemüse- und Obstkonsum sowie der bevorzugten Verwendung von (teureren) Vollkornprodukten zu keiner Erhöhung der üblichen Nahrungsmittelkosten sowohl für Kinder als auch für Jugendliche.
Übergewichtigen Kindern sollte übrigens keine Diät im Erwachsenensinne verordnet werden. Auch wenn diese noch so ausgewogen ist, entspricht sie nicht den Bedürfnissen eines Kindes. Durch geschickte Veränderungen in der Speisenzubereitung (Einsparen von Fett und Zucker) lässt sich die übermäßige Gewichtszunahme häufig bereits stoppen. Ist das Übergewicht nicht zu groß, sollte versucht werden, dieses Gewicht nur zu halten, bis sich die Körpergröße diesem angepasst hat. Anschließend ist auf eine sehr moderate Gewichtszunahme zu achten. Außerdem sollte die körperliche Aktivität stark gefördert werden. Süßigkeiten und Lieblingsspeisen sind nicht radikal zu streichen. Das erschiene dem Kind als Bestrafung, ein durchaus nachzuvollziehender Eindruck. Doch Bestrafung wofür? Für das falsche Essensangebot durch die Eltern, für das schlechte Vorbild der Eltern bezüglich des Essverhaltens? Zumindest im Kindes- und Kleinkindalter tragen die Eltern die ausschließliche Verantwortung für die Gesundheit und damit auch für das Übergewicht ihres Kindes!
Einige Krankenkassen und Familienbildungsstätten bieten spezielle Gewichtsreduktionskurse für Kinder an. Sie sollen meist dazu dienen, das Selbstbewusstsein und -vertrauen der Kinder zu stärken, diese mit dem richtigen Umgang mit Kummer und Langeweile vertraut zu machen und sie über richtiges Essen kindgerecht zu informieren. Hilfreich können auch Vorlesegeschichten ("Ernährungsmärchen"), Bilderbücher und spezielle Broschüren sein. Nicht zuletzt müssen die Eltern mitmachen und - was könnte an dieser Stelle auch anderes stehen - ihrem Kind ein gutes Vorbild sein (meist können auch sie eine Umstellung des Essens gut gebrauchen!).
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Kleine Sünden machen das Leben lebenswert
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Wie schon früher erwähnt: Essen soll vor allem auch Spaß machen. Wenn Kleine Sünden machen das alles verboten wäre, "was schmeckt oder dick macht", wie es Erwachsene häufig vorleben, geht viel Lebensqualität verloren - natürlich auch für unsere Kinder. Wichtig ist grundsätzlich nur das Maßhalten. Natürlich sind Cola oder Limonade (in dieser Reihenfolge) für Kinder eigentlich ungeeignet (siehe oben), aber die Ausnahme, beispielsweise anlässlich eines besonderen Ereignisses (Restaurantbesuch), schadet ganz bestimmt nicht. Gleiches gilt für den einzelnen Bonbon zwischendurch oder für den gelegentlichen Riegel Schokolade. Verbote reizen dagegen zu heimlichem Genuss (Taschengeld) und zu "Bettelei" bei Nachbarn, Freunden und Verwandten.
Bei Süßigkeiten gilt als Maß für Kinder (4 - 6 Jahre): Weniger als 50 g Kuchen und Naschereien pro Tag. Bei Jugendlichen (13 - 14 Jahre) sollten es in der optimierten Mischkost weniger als 80 g sein. Laut DGE sind etwa 150 kcal in Form von Süßem pro Tag erlaubt (inkl. Zucker). Das bedeutet etwa 35 g Zucker (15 Stück Würfelzucker) oder 40 g Gummibärchen oder sechs Bonbons oder 40 g Lakritz oder zwei Gläser Limonade bzw. Cola oder zwei (große) Schokoladenküsse oder fünf Stück Schokolade oder 4 Teelöffel Nuss-Nougat-Creme oder fünf Kekse.
Sättigendere Alternativen, die den Süßhunger stillen helfen, sind frisches Obst, süße Milchspeisen zum Nachtisch oder als Zwischenmahlzeit, Nüsse, Trockenobst, Studentenfutter, selbstgemachtes Fruchtsafteis oder auch tief-gekühltes passiertes Obst (Sorbet-ähnlich). Alle Arten von Süßigkeiten sollten am besten nicht zwischendurch, sondern als Zwischenmahlzeiten gegessen oder als Nachtisch gegeben werden.
Für den richtigen Umgang mit geschenkten Süßigkeiten (siehe auch die längere Abhandlung in einem früheren Kapitel) gibt es vielerlei Tipps in der Literatur. Am sinnvollsten ist es nach unserer Meinung, das Kind, sofern es möchte, direkt probieren zu lassen, den Rest aber für später an einem speziellen Ort aufzubewahren. Diese Dose oder Schublade sollte dann grundsätzlich nur gemeinsam geöffnet werden (Achtung: Nicht zur Belohnung oder als Trost!). Ideal wäre es, den Kindern direkt anzugewöhnen, nach jeder Nascherei die Zähne zu putzen. Dafür ist aber das Vorbild der Eltern gefragt.
Zu den lieben kleinen Sünden zählen aber nicht nur die zuckrigen Lebensmittel. Gleiches gilt auch für die salzigen und fettigen, sprich Chips, Flips, Pommes Frites usw. Solange es die Ausnahme bleibt, ist auch gegen kleine Mengen dieser Leckereien nichts zu sagen. Auch Fast Food kann wertvoll sein, wenn es durch andere Lebensmittel entsprechend aufgewertet wird. So passen zu einem Hamburger ein Glas Orangensaft und/oder ein bunter Salat. Ähnliches gilt für die heißgeliebten Pommes Frites rot/weiß oder die Currywurst. Diese dürfen jedoch nicht "'mal eben" zwischendurch gegessen werden, sondern zählen als eigenständige Mahlzeiten. Deren Kaloriengehalt muss durch eine Reduktion bei einem späteren Essen aufgefangen und durch eine reichliche Gemüsegabe aufgewertet werden.
Salziges Knabbergebäck kann durchaus ab und zu als Zwischenmahlzeit (in der Pause, am Nachmittag) eingesetzt werden. Zusammen mit etwas rohem Gemüse (Möhren, Gurkenstangen, Kohlrabiwürfeln, Paprikastreifen), eventuell auch Obst, schmecken Cracker, Salzstangen oder Chips fast noch besser. Zum Dippen in Würzquark oder pikanten Joghurt stellen diese Knabberartikel oft einen echten Hit dar (besonders wenn der Dipp von den Kindern selber gerührt wird). Es darf aber nicht vergessen werden, gleichzeitig auch für ausreichendes Trinken (Mineralwasser, ungesüßter Tee) zu sorgen, da Salziges den Durst weckt.
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Zeit für ein kleines Resümee
Ihnen sicher! Sicher aber nicht sofort!" |
Damit sind wir am Ende unserer Sachanalyse zum kleines Resümee Thema Kinderernährung angelangt. Sehr viel Bekanntes ist dabei gewesen, sicherlich auch sehr viel Banales oder auch Blauäugiges. Aber hoffentlich auch an der einen oder anderen Stelle Neues und vor allem in der Kombination mit anderen Sachaspekten oder in der Sichtweise Interessantes.
Unser Ziel in der Information und Schulung von Erziehungsberechtigten sollte sein, genau für diese nicht so oft gehörten Sichtweisen zu werben und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger Normwerte und Bedarfsempfehlungen zu predigen (wer von uns hört so etwas schon gerne).
Kinderernährung ist, um es auch am Schluss noch einmal deutlich zu sagen, nicht allein ein ernährungsphysiologisches Thema, sondern auch und gerade ein Bereich mit vielen psychologischen, soziologischen und verhaltenskundlichen Komponenten.
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