|
|
Sachinformationen
Heilpflanzen
Wir gehen durch den Wiesentau
Wir gehen zu der Kräuterfrau
Die wohnt im dichten Wald
Richard Schaukal: Die Hexe
Paracelsus und Co.
Geschichte der Heilpflanzen
Es wird heute heftig gestritten über die Heilkraft der Natur, über Sinn und Unsinn der Verwendung von Heilpflanzen in der Medizin. Um die Diskussion besser verstehen zu können, ist ein Blick in die Geschichte der Heilkunde sehr hilfreich. Sie gibt Hinweise darauf, wie sich in den verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Epochen die Betrachtungsweise von Mensch und Natur veränderte, wie sie verschiedenen Strömungen unterlag, die sich manifestierten oder wieder untergingen.
Kenntnisse über Mineralien, Pflanzen und Tiere besaßen unsere Vorfahren schon lange vor jeder Wissenschaft. Das Überleben war abhängig von den Wissen über nutzbare Eigenschaften der belebten und unbelebten Natur, zum Nahrungserwerb, zur Herstellung von Kleidung und Werkzeugen, oder zur Zubereitung von Arzneien gegen verschiedene Gebrechen. Die Nutzung von Heilmitteln, speziell der Gebrauch von Heilpflanzen, beruhte nicht ausschließlich auf dem rein empirischen Prinzips des "try and see", vielmehr gelangten unsere Urahnen wohl auch durch Intuition und eine gewisse Hellsichtigkeit an Kenntnissen über die Heilkräfte der Natur. Dabei zeichneten sich einige besonders disponierte „weise“ Frauen und Männer aus, die durch ihre intensive Verbindung mit den natürlichen Lebensgrundlagen über untrügliche Instinkte verfügten. Der Primatenforscherin J. Godall haben wir es zu verdanken, daß uns diese Annahme gar nicht so fragwürdig erscheinen muß. Während ihrer jahrelangen Feldforschungen, hat sie oft beobachten können, daß kranke Tiere, um sich zu kurieren, spezielle Pflanzen suchten, die nicht auf ihrem normalen Speisezettel standen.
Die Kenntnisse über die Heilwirkungen von Mineralien, Pflanzen und tierischen Produkten wurde in allen Völkern über Generationen gesammelt, ergänzt, bewahrt und mündlich weitergegeben. Die fernöstlichen Kulturen, z.B. Indien mit seiner ayurvedischen Medizin, die indianischen Stämme der Neuen Welt, die afrikanischen Kulturen, aber auch die altgermanischen Stämme pflegten die mündliche Überlieferung. Erste schriftliche Zeugnisse liefern Keilschrifttafeln aus dem Zweistromland und Fragmente von Papyrus aus dem ägyptischen Kulturkreis.
Mit zunehmenden zivisilatorischen Aktivitäten verschloß sich mehr und mehr der intuitive Zugang zur Naturheilkunde. Aber obwohl die "Stimmen der Geister verstummten," gab es in allen großen Zivilisationen immer wieder Menschen, die sich als Natur- und Kräuterheilkundige archaisches Wissen erwarben und es in ihre zeitgenössische Weltanschauung integrierten.
Beschränken wir uns in der Betrachtung der historischen Entwicklung der Heilkunde auf den indogermanischen Kulturkreis und wenden uns den Griechen zu. Aus der griechischen Mythologie leitet sich das Symbol des Ärztestandes, der Äskulapstab ab. Äskulap's Stab, von einer Schlange umwunden, symbolisiert Gift und Gegengift und versinnbildlicht zeitlos, modern die Heilkunst. Der Grieche Hippokrates stammt aus einer Sippe äskulapischer Heilkundiger. Seine Auffassung von Heilkunde erlebt heute eine Renaissance. Sie beruht darauf, die Selbstheilungskräfte des Menschen durch einfache Anwendungen wie gesundes Leben, ausgewogene Ernährung, unterstützt durch Verabreichung pflanzlicher Auszüge, zu fördern. Die Bedeutung des Hippokrates für die Medizin kommt im Eid des Hippokrates zum Ausdruck, den alle praktizierenden Ärzte ablegen.
Pedanios Dioskurides, ebenfalls ein Grieche, ging mit wissenschaftlicher Exaktheit vor und schrieb das wohl bedeutendste pharmazeutische Werk der Antike. Als Arzt des römischen Heeres kam er in der damaligen Welt weit herum, sammelte und studierte medizinische Anwendungen und die heilenden Wirkungen von Pflanzen. In seiner MATERIA MEDICA gab er Namen von Heilpflanzen, ihre synonymen Bezeichnungen, Beschreibung und Vorkommen an, sowie ihre medizinischen Eigenschaften und Wirkungen. Die Vollständigkeit und Gründlichkeit der Darstellung sorgte für den Erfolg des Werkes bis weit in die Zeit der Renaissance hinein. Ein anderer Grieche, der im Römischen Reich als Arzt zu Ruhm und Ehre gelangte, war Claudius Galenus aus Pergamon. Er verabreichte Heilkräuterauszüge in bestimmten Dosierungen und geeigneten Mischungen, um (nach seiner Auffassung von Heilung) die Körperkräfte in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen und durch ein ausgewogenes Temperament die Gesundheit des Organismus wiederherzustellen. Die Galenik, die Zubereitung von Arzneimitteln aus Arznei- und Hilfsstoffen, ist auch in der heutigen, modernen Medizin ein Begriff.
Nach Galen versank Mitteleuropa und mit ihm die antike Heilkunde erst einmal ins finstere Mittelalter. Der arabische Einfluß auf die Heilpflanzenkunde, der über Spanien seinen Weg nach Mitteleuropa nahm, konnte das Dunkel nicht durchdringen. Zwar entstanden berühmte Bibliotheken, wie in Cordoba, aus denen sich die neuen „weisen“ Männer, Priester und Mönche, fleißig bedienten, aber Klöster und Kirche requirierten das Wissen und verschlossen es hinter ihren heiligen Mauern. In den ausgedehnten Klöstergärten wurden einheimische und fremdländische Heilpflanzen, die Pilger und Mönche aus Nah und Fern mitbrachten, gesammelt und kultiviert. Das Wissen des Volkes und ihrer heilkundigen Frauen und Männer fürchtete die Kurie und bekämpfte es mit allen inquisitorischen Methoden. Hexenhammer und Scheiterhaufen sind Begriffe aus dem traurigen Kapitel des Mittelalters. Was nicht augerottet werden konnte, wurde christianisiert und im neuen Gewand legalisiert. Die Namen von Heilpflanzen wie Barbarakraut, Johanniskraut, Mariendistel, Frauenmantel zeugen von diesem Prozeß. Zwar konnte das Wissen um die Heilkräfte der Natur auch in dieser finsteren Zeit nicht vollständig ausgelöscht werden, aber unter der massiven Repression blühte und gedieh der Aberglaube im einfachen Volk. Was nur von Mund zu Mund hinter vorgehaltener Hand weitergegeben werden konnte, wurde ausgeschmückt und mit abergläubischem Beiwerk versehen. Volksglaube und kirchlicher Wunderglaube vermischten sich. Aus Heilkräutern wurden Zauberkräuter, aus „weisen“ Frauen und Männern Hexen und Verbündete des Teufels. Der wahre Kern über die Heilwirkung von Pflanzen verschwand unter allerhand merkwürdigen, mystischen Unsinn.
Als eine der wenigen lichten Gestalten in der Naturheilkunde in der von starkem Aberglauben geprägten Zeit, tat sich eine Äbtissin des Benediktinerordens hervor, Elisabeth von Bingen. Als heilkundige Frau stand sie im Hochmittelalter in hohem Ansehen. Fest im christlichen Glauben verankert, gelang es ihr durch Hellsicht und Intuition die Volksheilkunde der „weisen“ Frauen und die klösterliche Naturheilkunde zusammenzuführen. Sie verfasste zwei medizinische Werke, von denen sich eins mit den Heilkräutern und ihrer Anwendung beschäftigt.
Mit Beginn der Renaissance setzte sich allmählich eine aufgeklärte Wissenschaft durch.
Lehrstätten waren Klöster, aber ebenfalls schon bürgerliche Universitäten, wie Montpellier, Leiden, später folgten Heidelberg, Köln und andere. An der Universität Basel lehrte an der medizinischen Fakultät ein junger Professor, der für die damalige Zeit geradezu ein Sakrileg beging. Er hielt seine Vorlesungen nicht in Latein, sondern in der Sprache des gemeinen Volkes, eine Revolution in den Augen des etablierten Lehrkörpers, ein Fortschritt in der Aufklärung und Bildung des Volkes. Von Haus aus mit dem Namen Theophrastus Bombastus von Hohenheim nannte er sich schlicht Paracelsus. Auch inhaltlich führte er im Studium der jungen Ärzte neue Methoden ein. Nicht mehr das theoretische Studium aus allerlei medizinischen Werken und Kräuterbüchern stand im Vordergrund, sondern die praktische Anschauung durch Wahrnehmung des Wesens der Naturobjekte. Paracelsus sah den Menschen als ein Wesen, in dem sich alle Bildungskräfte der Natur, also die Bildungsprinzipien der Mineralien, Pflanzen und Tiere vereinen. Geraten die Regelmechanismen im kranken Menschen durcheinander, können sie durch die Anwendung von Heilkräutern, die über diese Bildungskräfte verfügen, wieder ins Lot gebracht werden. Dazu ist es nötig, diese Prinzipen der Pflanze in Hinblick auf ihre Verwendung als Heilpflanze, d.h. ihre Signatur zu erkennen. Der Name Paracelsus steht für die Wiederbelebung der Signaturenlehre. Er verstand diese Lehre jedoch nicht in der Weise, wie heute irrtümlich angenommen wird, daß man die Eignung einer Pflanze zur Heilung eines Leidens allein aus der äußeren Form ablesen kann, zum Beispiel aus der Nierenform der Blätter auf ihre heilende Kraft bei Nierenleiden zu schließen. Vielmehr ist es nötig, die Wesensqualität und Ausstrahlung einer Pflanze, ihren Wuchs, Form, Farbe und Duft in ihrer Gesamtheit zu erkennen. Paracelsus Signaturenlehre liegt ein Heilprinzip zugrunde, welches besagt: "Similia similibus curentur" - Gleiches heilt Gleiches. Es ist allerdings noch immer eine reine Erfahrungsmedizin. Trotzdem war Paracelus seiner Zeit weit voraus. Er forschte mit den ihm zur Vefügung stehenden Mitteln intensiv nach der "Quinta essenzia", dem der Heilkraft zugrundeliegenden Prinzip und wies damit den Weg in die moderne Heilpflanzenkunde, die Phytomedizin.
Mit der Erfindung des Buchdrucks wurde die Heilpflanzenkunde dem lesekundigen Volk zugänglich. Hieronymus Bock, Leonard Fuchs, u.a. lieferten Kräuterbücher, die durch ihre exakte wissenschaftliche Darstellung bestechen, bereinigt von künstlerischen, religiös verfälschten Ausschmückungen, die in vielen klösterlichen Kräuterbüchern die Pflanzendarstellungen zierten. Der Weg in die moderne Pflanzenheilkunde war zum Ende des 18. Jahrhunderts geebnet.
Heilung durch Pflanzen
Phytotherapie, Homöopathie, Bach-Blütentherapie, Aromatherapie werden schlechthin mit Naturheilkunde gleichgesetzt. Zwar spielen bei allen diesen Therapieformen Pflanzen eine Rolle, dies ist allerdings die einzige Gemeinsamkeit. Die Phytotherapie basiert auf der Verwendung von Wirkstoffen, die aus Pflanzen stammen. Dabei kann es sich um Zubereitungen aus ganzen Pflanzen, Bestandteilen einzelner Pflanzen, oder um aus Pflanzen isolierte Wirkstoffe in verschiedenen Aufbereitungs- formen handeln. (Ob auch synthetisch hergestellte Stoffe, die den in Pflanzen vorkommenden Wirkstoffen exakt nachgebaut werden, noch als Phytopharmaka bezeichnet werden sollten, ist zu diskutieren.) Für die Zulassung von Phytopharmaka (pflanzlischen Heilmitteln) gelten die gleichen Zulassungs- bestimmungen wie für alle arzneilich verwendeten Therapeutika. Man unterscheidet Phytotherapeutika grob in Mite- und Forte-Phytotherapeutika. Mite-Phytotherapeutika haben milde Wirkstoffe, während Forte-Phytotherapeutika eine hohe, spezifische Wirkung besitzen.
Homöopathie ist eine Therapieform, die auf Samuel Hahnemann zurückgeht. Homöopathen greifen auf einen reichen Erfahrensschatz über die Heilwirkung von Pflanzen, Mineralien und tierischen Produkten zurück, die überwiegend in Selbstversuchen ermittelt wurden. In der Homöopathie geht man davon aus, daß Pflanzen, Mineralien und tierische Produkte in höherer Dosierung beim gesunden Menschen ein charakteristisches Arzneimittelbild hervorrufen, d.h. eine für das verabreichte Mittel typische Symptomatik erzeugen. Ein kranker Organismus, der diese Symptome aufweist, kann mit diesem Heilmittel in niedriger Dosierung kuriert werden. Als Beispiel sei die Wirkung von Bienengift aufgeführt. Es ruft auf der Haut eine typische Quaddelbildung hervor. Bei Krankheiten, die mit Quaddelbildung einhergehen, ist Bienengift in homöopathischer Zubereitung ein Mittel der Wahl. Die Herstellung homöopathischer Heilmittel unterliegt festen Regeln. Aus Pflanzen, Mineralien oder tierischen Produkten wird durch Extraktion eine sogenannte Urtinktur gewonnen. Diese Tinktur wird nach vorgeschriebenen Regeln unter Schütteln mit Alkohol oder Verreiben mit Milchzucker verdünnt. Durch den Schüttel- oder Reibprozeß werden die Wirkstoffe der Urtinktur potenziert, d. h. in ihrer Wirkung verstärkt. Potenziert wird in 10-er Schritten, D1, D2 Potenzen usw. oder in 100-er Schritten zu C1, C2, ... usw., wobei die geringere Potenz immer als Ausgangssubstanz für den nächsten Potenzierungsschritt verwendet wird.
Je höher die Potenz, desto heftiger ist die Reaktion des Organismus darauf. Der Nachweis des Wirkmechanismus derart potenzierter Stoffe ist außerordentlich schwierig. Für die Zulassung und Anerkennung homöopathischer Arzneimittel gelten besondere Bestimmungen.
Die Bach-Blütentherapie zielt darauf ab, vorübergehende negative seelische Gemütszustände langfristig positiv zu beeinflussen. Diese Therapie wurde vor 60 Jahren von dem englischen Arzt Dr. Edward Bach begründet. Bach fand 37 verschiedene krautige Blütenpflanzen und Bäume, die nach ähnlicher Aufbereitung wie in der Homöopathie das seelische Befinden in ein harmonisches Gleichgewicht bringen und auf diese Weise dem Körper eine höhere Widerstandskraft gegen seelische und seelisch bedingte körperliche Störungen verleihen.
Auch die Aromatherapie setzt auf eine Anregung und Stärkung der Widerstands- und Abwehrmechanismen des Körpers durch Beeinflussung und Harmonisierung des seelischen Befindens. Dabei wirken die Duftstoffe in feinster stofflicher Dosierung auf die Regulationsmechanismen der Stoffwechselprozesse im Körper ein.
Als ein Beispiel sei Lavendel angeführt. Lavendelöl stimuliert die Ausschüttung von Serotonin, welches beruhigend bei Streß, Ärger und Angst wirkt.
Während Homöopathie eine anerkannte Therapierichtung ist, sind Aromatherapie und Bach-Blütentherapie als alternative Medizin vom Gesetzgeber nicht anerkannt.
[... nach oben]
|