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Sachinformationen
Mit Stumpf und Stiel
Morphologie und Anatomie der Heilpflanzen
Die Wirkstoffe der Heilpflanzen liegen in den seltensten Fällen gleichmäßig in der Pflanze verteilt vor, vielmehr werden sie in verschiedene Pflanzenteile eingelagert. Für die Zubereitung der Heilpflanzendroge verwendet man am zweckmäßigsten die pflanzlichen Organe, die die höchste Wirkstoffkonzentration enthalten. Sind die pharmakologisch wichtigen Inhaltsstoffe verteilt, so verwendet man auch Mischungen aus verschiedenen Pflanzenteilen. Für die Bezeichnung der Pflanzenteile gilt die lateinische Nomenklatur.
Es bedeutet:
| Pflanzenteil |
Name |
| Herba |
Alle oberirdischen Teile krautiger Pflanzen ohne verholzte Stengel |
| Folium |
Laubblätter |
| Flos |
Einzelblüten oder Blütenstände, zum Teil die vollständige Blüte mit Kronblättern (Petalen), Staubgefäßen und Stempel (Andrözeum und Gynözeum), Kelchblättern (Sepalen) oder nur die Zungenblüten. In einigen Fällen die Blütenknospen, nur die Narben (Stigma), die Hüllkelche (Involucrum) oder ganze Blütenstände mit ihrem Hochblatt |
| Rhizoma |
Unterirdische, kräftige, oft stark verdickte Sprosse |
| Radix |
Hauptwurzel, Pfahlwurzel, oder auch zum Speicherorgan ausgebildete Wurzel (Rübe) |
| Tuber |
Stark verdickte Rhizome oder Wurzeln, die Speicherfunktion erfüllen |
| Bulbus |
Zwiebeln, bestehend aus stark gestauchter Sproßachse (Zwiebelkuchen) und Niederblättern (Zwiebelschuppen) |
| Fructus |
Ganze Früchte oder Teile von Früchten |
| Semen |
Ganze Samen mit Samenschale, Nährgewebe und Embryo, oder einzelne Bestandteile von Samen, wie Keimblätter, Samenschale oder Samenmantel (Arillus) |
| Cortex |
Rinde des Stammes oder der Wurzel von Bäumen und Sträuchern |
| Lignum |
Splint- oder Kernholz von Bäumen und Stäuchern |
Die Mehrzahl der Wirkstoffe werden nicht unspezifisch im Gewebe der verschiedenen Pflanzenorgane eingelagert. Oft findet man sie in einzelne Zellen oder Zellkomplexen in speziell ausgebildetem Exkretionsgewebe. Ätherische Öle werden in Ölzellen, Ölbehältern, Ölgängen oder in Drüsenschuppen und Drüsenhaaren gespeichert. Schleimstoffe findet man oft in besonderen Schleimzellen, die im Grundgewebe (Parenchym) eingebettet sind. Der alkaloidhaltige Milchaft des Löwenzahns (Taraxacum officinalis) oder der Mohngewächse (Papaveraceae) ist in sogenannten Milchröhren gespeichert.
Die Heilpflanzenapotheke
Sammeln, Trocknen, Aufbewahren
Werden Heilpflanzen selbst gesammelt, sollte man einiges beachten. Wichtig sind gute Artenkenntnisse für die sichere Bestimmmung der Heilpflanzen. Sinnvoll ist es, mit einer kleinen Anzahl Pflanzen zu beginnen, die man sicher erkennt, und nach und nach seine Artenkenntnisse zu erweitern. Verschiedene Arten der gleichen Pflanzengattung können sich grundlegend in ihrer Wirksamkeit unterscheiden. In vielen Fällen sind verwandte Arten anerkannter Heilpflanzen einfach unwirksam, manchmal jedoch hochgiftig. Der Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) ist eine bewährte Kieselsäuredroge. Sie findet Einsatz bei Hauterkrankungen, schlecht heilenden Wunden und zur Unterstützung natürlicher Heilvorgänge bei Lungentuberkulose. Die verwandte Art, der Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre) hingegen ist giftig. Um Zwischenfälle, z. B. Intoxikation (Vergiftung) infolge Verwechslung zu vermeiden, ist sicheres Erkennen der Heilpflanze oberstes Gebot für den Sammler. Für die Bestimmung ist es hilfreich zu wissen, wo die Pflanzen in der Regel vorkommen. Der Standort Acker-Randstreifen beispielsweise, schließt alle Verwechslungsmöglichkeiten mit Pflanzen, die feuchte Standorte bevorzugen, aus.
Der richtige Sammelzeitpunkt ist entscheidend für eine gute Qualität der Drogen. Wirkstoffgehalt und Wirkstoff- zusammensetzung können sehr stark schwanken. Sie hängen vom Standort der Pflanze, von den klimatischen Bedingungen und der Vegetationsperiode ab. Heilpflanzen sammelt man am günstigsten, wenn der Wirkstoffgehalt am höchsten ist. In der Regel ist dies nach einer längeren sonnigen, warmen Periode der Fall.
Pflanzen für Flos-Drogen sammelt man, wenn sich die Blüten voll entfaltet haben, Fructus und Semen, wenn diese vollständig reif sind. Einige Pflanzen für Herba- und Folium-Drogen werden am günstigsten kurz vor der Blüte (Pfefferminze), andere während der Blüte (Thymian) geschnitten. Die Speicherorgane der Pflanzen, Rhizoma und Radix, gräbt man im Herbst nach Abschluß, oder im zeitigen Frühjahr vor Beginn der Vegetationsperiode aus. Geschützte Pflanzen bleiben selbstverständlich stehen. Auch pflückt man nicht alle Pflanzen an einem Fundort, sondern läßt genügend Exemplare für die Vermehrung stehen. Pflanzen an Straßenrändern oder auch solche auf alten Industriebrachen können schadstoffbelastet sein und eignen sich nicht als Sammelgut.
Die Konservierung der Wirkstoffe hängt von der sorgfältigen Trocknung ab, die Qualität der Droge von der Lagerung, sowie der Aufbewahrungsdauer.
Zum Trocknen bindet man ganze Pflanzen (Herba) zu lockeren Büscheln zusammen und hängt sie kopfunter auf. Pflanzenteile (Flos, Folium, Fructus, Semen) können auf Trockenroste ausgebreitet werden. Wurzeln, Rhizome, Knollen, Zwiebeln werden sorgfältig gesäubert, kleingeschnitten und ebenfalls auf Trockenroste gelegt. Als Trockenplatz eignet sich ein nicht zu warmer, gut gelüfteter, schattiger Ort. Direkte Sonnenbestrahlung ist zu vermeiden, da durch die Strahlungseinwirkung photooxidative Prozesse einsetzen können, die die Pflanzeninhaltsstoffe zerstören und das Sammelgut unbrauchbar machen. Die Trocknungstemperatur darf bei Pflanzen mit leicht flüchtigen Wirkstoffen (z.B. ätherische Öle) 35 C° nicht überschreiten, ansonsten trocknet man bei Temperaturen um ca. 50 C°. Ist das Pflanzengut vollständig trocken, was man leicht am trockenen Rascheln erkennt oder bei der Reibprobe zwischen den Fingern, wobei die getrocknete Droge leicht zerbröselt ohne zu kleben, wird es zerkleinert, in luftdichten Dosen oder dunklen Gläsern aufbewahrt, mit dem Namen der Droge und dem Datum der Aufbereitung gekennzeichnet. Sachgerecht getrocknete und gelagerte Drogen können über einen Zeitraum von ca. einem Jahr aufbewahrt werden, in Einzelfällen auch länger.
| Restwassermenge getrockneter Drogen: |
Rinden
Wurzeln
Blüten
Blätter
Samen
Früchte |
5 - 10 %
8 - 14 %
8 - 15 %
8 - 15 %
10 %
13 - 20 % |
Kraut und Drogen
Kleine Drogenkunde
Der Begriff Droge wird in der heutigen Zeit von der Mehrheit der Bevölkerung mit Rauschdrogen gleichgesetzt. Ursprünglich bezeichnet der Begriff Droge jedoch schonend getrocknete Pflanzen oder Pflanzenteile, die arzneilich verwendet werden. Für die Bezeichnung der Droge wird der Artname der Stammpflanze (im Genitiv) der lateinischen Bezeichnung des verwendeten Pflanzenteils (in der Einzahl) vorangestellt. Beispiele: Valerianae radix = Baldrianwurzel; Lavandulae flos = Lavendelblüten; Anisi fructus = Anisfrüchte.
Sind Drogen oder aus ihnen isolierte Reinstoffe in Arzneibüchern aufgenommen, unterliegen sie genauen Prüfvorschriften. Sie gelten als officinelle Drogen. Für nichtofficinelle Drogen gibt es keine gesetzlich verbindlichen Prüfvorschriften.
Heilpflanzendrogen kann man in jeder Apotheke bekommen. Sie sind qualitativ hochwertig und unterliegen einer sorgfältigen Kontrolle auf Schadstoffrückstände (Pestizide, Schwermetalle) und verfälschende Beimischungen.
Viele Heilpflanzen werden heute kulturmäßig unter weitgehend standardisierten Bedingungen (Aussaat, Vermehrung, Bodenbearbeitung, Düngung) angebaut, um einen gleichbleibenden Gehalt an Wirkstoffen zu gewährleisten. Man verwendet, soweit vorhanden, bestimmte Rassen, die sich durch hohen Wirkstoffgehalt auszeichnen.
Die Wirkstoffe der Heilpflanzen
Der wohl bekannteste Anwendungsbereich von Heilpflanzen sind Erkältungskrankheiten. Zur Vorbeugung als auch während der Erkältung hat sich die Einnahme von Vitaminen bewährt, wirksam ist vor allem Vitamin C. Einige der bei Erkältung eingesetzten Heilpflanzen zeichnen sich auch durch den Besitz von Flavonoiden aus.
Wirkstoffgruppen
Vitamine
Vitamine sind keine Arzneimittel im eigentlichen Sinne. Sie werden dem Körper im Normalfall über die Nahrung in ausreichender Menge zugeführt. Eine zusätzliche Einnahme von Vitaminen ist bei Vitaminmangelzuständen und zur Vorbeugung sinnvoll. Vitamine sind zur Aufrechterhaltung aller Lebens- prozesse nötig. Es sind Co-Faktoren von Enzymen sowie Enzymaktivatoren (Vitamine der B-Gruppe, und Vitamin D), oder dienen als Redox-Katalysatoren (Vitamin A, C, E, K). Einige Vitamine können nicht oder nur in unzureichender Menge vom Körper synthetisiert werden, sie sind essentiell und müssen zugeführt werden. Chemisch kann man die Vitamine in fettlösliche (A, D, E, K) und wasserlösliche (B, C) einteilen.
Flavonoide
Der Name dieser Stoffklasse leitet sich von der überwiegend gelben Farbe der Verbindungen ab. Die Wirkung ist nicht einheitlich, sie hängt sehr stark von der Art, der Zusammen- setzung und der Menge an Flavonoiden ab. Nachgewiesen wurden eine festigende Eigenschaft auf Blutgefäße, entzündungshemmende, krampflösende und wassertreibende Wirkung. Bisher konnten ca. 300 verschiedene Flavonoide aus Pflanzen isoliert werden.
Chemisch weisen die in dieser Stoffklasse zusammmengefaßten Verbindungen eine Grundstruktur aus 15 Kohlenstoffatomen auf, mit unterschiedlich gebundenen Gruppen (Carbonyl-, methylierte und glykosidierte phenolische Gruppen).
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