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Sachinformationen
Alchimie im Kochtopf
Zubereitung un Anwendung von Heilfplanzen
Entsprechend der Vielfalt an Wirkstoffen und an pflanzlichen Organen, in denen die Wirkstoffe gespeichert sind, gibt es verschiedene Methoden der Heilpflanzenzubereitung. Eine Radix-Droge erfordert eine andere Behandlung, um das Gewebe aufzuschließen und die Wirkstoffe herauszulösen, als eine Flos-Droge. Ätherische Öle müssen aufgrund ihrer Flüchtigkeit schonender extrahiert werden als Gerbstoffe.
Viele Heilpflanzen werden innerlich als Tee verabreicht. Bei der Zubereitung unterscheidet man:
| Aufguß (Infus): |
Die getrocknete Droge wird mit kochendem Wasser übergossen, den Aufguß läßt man 5 bis 10 Min. zugedeckt stehen, und seiht anschließend ab.
Diese Art der Zubereitung wählt man bei weichen oberirdischen Pflanzenteilen wie Folium, Flos oder Herba. |
| Abkochung (Decot): |
Die getrocknete Droge wird je nach Löslichkeit des Wirkstoffes 5 bis 30 Min. gekocht, verdampfte Flüssigkeit füllt man wieder auf. Diese Aufbereitung eignet sich für harte oberirdische Pflanzenteile wie Cortex, Lignum, Semen oder Fructus. |
| Kaltauszug (Mazeration): |
Die zerkleinerte Droge wird mehrere (6 - 12) Stunden bei Zimmertemperatur zugedeckt stehen gelassen. Vor der Verabreichung wird auf Trinktemperatur erwärmt. Diese Zubereitung ist geeignet für sehr schleimstoffhaltige Pflanzenteile wie Radix, Fructus und Semen. |
Weitere Drogenzubereitungen sind: |
Alkoholischer Auszug: (Tinktur) |
Die zerkleinerte Droge läßt man mit 90%-igem Alkohol in einem gut verschlossenem Gefäß im Dunkeln 8 bis 10 Tage stehen, seiht dann ab. Vor Gebrauch mit Wasser verdünnen. |
| Medizinalwein: |
Herstellung wie eine Tinktur, aber unter Verwendung eines guten Weiß- oder Rotweins. |
| Sirup: |
Eine Teezubereitung (Aufguß, Kaltauszug, Abkochung ) wird mit der gleichen Menge Zucker (Saccharose) unter ständigem Rühren bis zur Sirupkonsistenz eingekocht. |
| Frischsaft: |
Die frischen Pflanzenteile werden zerkleinert und ausgepreßt, ggf. verdünnt. Diese Zubreitung wählt man bei Heilpflanzen, deren Wirkstoffe beim Trocknen zerstört werden, oder bei Drogen mit hohem Vitamingehalt, die durch Erhitzen zerstört werden. |
| Salbe: |
Streichfähige Zubereitungen zum Auftragen oder Einreiben, z.B. Creme (mit Wasser) oder Paste (mit suspendiertem Pulver, fester). Grundlagen für die Salbenherstellung sind Harze, Wachse oder Tierfette. |
In der Apotheke bekommt man weitere Heilpflanzenzubereitungen: Instant-Tee, Pastillen, Bonbons, Kapseln, Dragees usw. Dabei handelt es sich um vorwiegend industriell hergestellte Produkte auf pflanzlicher Basis. Diese Produkte sind meist standardisiert auf einen bestimmten Wirkstoff, enthalten aber weitgehend noch alle anderen in den verwendeten Heilpflanzen vorkommenden Wirk- und Begleitstoffe.
Drogenzubreitungen in Form von Tees eignen sich auch für äußere Anwendungen, als Badezusätze für Hand-, Fuß- oder Ganzkörperbäder, z.B. bei übermäßiger Schweißproduktion. Die Badtemperatur sollte 35 - 40 °C nicht überschreiten und ca. 10 - 20 Min. dauern. Tee in etwas konzentrierterer Form als für die innere Anwendung üblich, kann zum Gurgeln oder für Mundspülungen verwendet werden.
Die äußere Anwendung ist unter anderem angezeigt bei Erkrankungen der Haut oder der Schleimhäute. z.B. Abschürfungen, schlecht heilende Wunden, Ausschlag, oder Rachen-, Hals- und Mundschleimhautentzündungen.
Wirkstoffgruppe
Gerbstoffe
Der Name der in dieser Stoffklasse zusammengefaßten Verbindungen weist bereits auf ihre Anwendung hin. Gerbstoffe wirken adstringierend, das heißt das Gewebe zusammenziehend, entquellend und wasserentziehend. Die Wirkung bleibt auf den Ort der Anwendung beschränkt, äußerlich auf der Haut, innerlich auf den Schleimhäuten.
Gerbstoffe bilden mit den Proteinen des Stützgewebes der Haut (Kollagen) sog. Wasserstoffbrücken- und Ionenbindungen aus und vernetzen auf diese Weise die Kollagenstruktur des erkrankten Gewebes. Sie bilden förmlich eine Art Schutzschild gegen eindringende Krankheitserreger und verhindern auf diese Weise die Zerstörung tieferer Gewebeschichten. Werden Gerbstoffe an die sog. Protoplasmaproteine der Zellen gebunden, wirkt dies wasserentziehend und der Quellungszustandes geschwollener oder entzündeter Schleimhäute nimmt ab. Krankheitserregern wird dadurch die Wachstumsgrundlage entzogen. In geringer Dosierung sind diese Bindungsvorgänge reversibel, die Gerbstoff-Proteinbindungen sind instabil und können wieder gelöst werden. Man spricht dann von der adstringierenden Wirkung. Bei hoher Dosierung werden zwischen Gerbstoffen und Proteinen irreversible, feste Bindungen geknüpft, die nicht wieder gelöst werden können (Eiweißfällung). In diesem Fall kommt es zur Gerbung der behandelten Hautbezirke, ein Prozeß der in der Lederherstellung technisch angewendet wird. Der Erfolg dieses lokalen Gerbprozesses ist eine Abdichtung der oberen Zellschichten. Bei nässenden Wunden bildet sich bedingt durch diese Eiweißfällung eine Schutzschicht, unter der neues Gewebe entstehen kann, entzündetes Gewebe und Infektionserreger abgestoßen werden und eine weitere Verbreitung von Krankheitserregern verhindert wird.
Gerbstoffen wird außerdem eine Bakteriengifte absorbierende und eine lokal schmerzstillende Wirkung zugesprochen.
Chemisch unterscheidet man zwei Gerbstoffklassen:
- Hydrolysierbare Gerbstoffe z.B. Gallotannine, Ellagtannine, wie sie in Walnußblättern und Hamamelis vorkommen.
- Kondensierte Gerbstoffe, wie Catechine und ihre Polymere, die z.B. in der Eichenrinde und der Blutwurz zu finden sind.
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