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Sachinformationen
Erkennungsmerkmale wichtiger Heilpflanzenfamilien
Heilwirksame Inhaltstoffe kommen in fast allen Pflanzen- familien vor. Die Familien, die die größte Anzahl bei uns heimischer Heilpflanzen aufweisen, sind die Lippenblütengewächse (Lamiaceae), die Korbblütengewächse (Asteraceae) und die Doldengewächse (Apiaceae). Wichtige Heilpflanzenlieferanten sind auch die Familien der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae), Rosengewächse (Rosaceae), Liliengewächse (Liliaceae) und die weniger zur Selbstmedikation geeigneten Nachtschattengewächse (Solanaceae). Lippenblütengewächse
Typisch für die Lamiaceae sind ihre charakteristischen Blüten. Die Kronblätter der Blüten bilden eine Unterlippe, die aus drei verwachsenen Kronblättern besteht und eine Oberlippe, die von zwei verwachsenen Kronblättern gebildet wird. Die Blütenkrone sitzt mit ihrer langgestreckten Röhre in einem mehr oder weniger deutlich erkennbaren, mehrzipfligen, grünen Kelch. In die Oberlippe schmiegen sich zwei kürzere und zwei längere Staubgefäße ein, der Stempel liegt meist tief in der Kronenröhre eingesenkt. In manchen Fällen ist die Oberlippe nicht deutlich ausgeprägt (z.B. bei Gundermann, Glechoma hederacea, Ysop, Hyssopus officinalits). Doldengewächse
Die kleinen Einzelblüten der Apiaceae sind fünfzählig, sie bestehen aus fünf einzelnen Kronblättern und fünf Staubblättern, die gleichmäßig um die Blütenachse angeordnet sind (radiär). Mehrere langgestielte Blütchen sind zu einem flachen oder leicht gewölbten Döldchen vereinigt. Die ebenfalls langstieligen Döldchen bilden eine flach ausgebreitete bis kugelige Dolde. Kreuzblütengewächse
Die Blüten der Brassicacaea sind in der Regel recht klein und zu mehreren in Blütenständen am Sproßende (endständig) vereinigt. Die einzelnen Blüten besitzen stets vier freistehende Kronblätter, die, wie der Name verrät, kreuzförmig angeordnet sind. Der Kelch ist ebenfalls vierzipflig. Von den 6 Staubgefäßen sind vier langgestielt und zwei kürzer. Die Blätter sind sehr unterschiedlich gestaltet, oft findet man an einer Pflanze gefiederte und ungefiederte Blätter. Charakteristisch sind die Früchte der Kreuzblütengewächse. Es sind Schoten oder Schötchen, die bei der Reife zweiklappig aufspringen. Sie sind langgestreckt (z.B. beim Senf) oder rundlich (z. B. beim Hirtentäschelkraut). Korbblütengewächse
Bei den Asteraceae stehen viele kleine Einzelblüten zusammen in einem flachen (z.B. Gänseblümchen) bis gewölbten (z.B. Echte Kamille) Körbchen. Der Blütenkorb ist von einem Kranz grüner Außenhüllblätter umgeben, so daß er oft für eine große Einzelblüte gehalten wird. Die peripheren Einzelblüten sind oft als Zungenblüten mit einer aus drei bis fünf Kronblättern verwachsenen weitherausstehenden Zunge und einer kurzen Blütenröhre ausgebildet, die inneren Röhrenblütchen sind langröhrig und fünfzipflig. Die fünf Staubbeutel bilden um den Griffel eine enge Röhre. Manche Blütenköpfe bestehen nur aus Zungen- oder nur aus Röhrenblüten. Die Blätter stehen wechselständig und sind von Art zu Art sehr unterschiedlich gestaltet. Rosengewächse
Unter den Rosaceae findet man Kräuter, Sträucher und Bäume. Liliengewächse
Liliengewächse besitzen in der Regel Zwiebeln, Knollen oder verdickte unterirdische Sprosse (Rhizome) als Speicherorgane. Die meist ungestielten Blätter sitzen in breiter Basis am Stengel, die Blattadern verlaufen parallel. Die Blüten sind radiär mit meist sechs Kronblättern, ein Kelch fehlt.
Viele Pflanzenfamilien sind nur mit wenigen Arten unter den Heilpflanzen vertreten. Es ist einfacher, diese Pflanzen einzeln kennenzulernen ohne sich die charakteristischen Familienmerkmale einzuprägen. Heilpflanzen - Selber angebaut
Einige Heilpflanzen, speziell die verdauungsfördernden Küchenkräuter, lassen sich problemlos auf der Fensterbank anziehen. Die Samen sind in Samenhandlungen erhältlich. Als Anzuchtgefäße eignen sich flache Pflanzschalen. Die Samen werden dünn und gleichmäßig auf Anzuchterde ausgelegt und mit wenig Erde leicht übersiebt (gilt nicht bei Lichtkeimern; auf die Angaben auf den Samentütchen achten). Man befeuchtet sie mit der Sprühflasche, stellt die Kästen an einen warmen, hellen Platz und achtet darauf, daß sie nicht zu trocken werden. Sind die Pflänzchen herangewachsen, hebt man sie mit einem flachen Gegenstand (Spatel, Messer) vorsichtig einzeln aus den Schalen und verpflanzt sie in vorbereitete Töpfe oder Blumenschalen. Sie erhalten einen Platz an einem hellen Fenster, auf einem Balkon oder im Garten. Verschiedene Gewürzkräuter, wie Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, kann man direkt in Blumentöpfen aussäen. Manche Kräuter entwickeln beachtliche Größen. Rosmarin, Dost, Zitronen-Melisse, Salbei können zu dichten Büschen heranwachsen. Sie muß man umtopfen und bei Bedarf teilen. Kräuter, die sich schwer oder nur vom erfahrenen Gärtner aus Samen heranziehen lassen, bekommt man auch als kleine Pflanzen im Gartenfachbetrieb. Man kann sie leicht in größere Töpfe und Schalen umpflanzen. In Töpfen kultivierte Kräuter müssen ca. alle vier Wochen gedüngt werden. Heilpflanzen bei Magenbeschwerden
Eine ausgewogene, gesunde Ernährung ist die Grundlage für Fitneß, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Wirkstoffgruppen Bitterstoffe
Der Name beruht auf dem intensiv bitteren Geschmack dieser Verbindungen. Bitterstoffe wirken über den Geschmack stimulierend auf die Sekretion von Speichel, Magensaft und Galle. Die Wirkung geht von einer Erregung der Nervenzellen in den Geschmacksknospen der Zunge aus. Diese Nervenzellen stehen mit Rezeptorzellen, die die Geschmacksknospen auskleiden in Verbindung. Bitterstoffe docken an der Oberfläche dieser Rezeptoren an und lösen den Geschmacksreiz aus. Er wird über den Nervus glossopharyngeus weitergeleitet. Reflektorisch werden die Speicheldrüsen und die für die Produktion von Magensaft verantwortlichen Drüsenzellen anregt. Die Freisetzung von Salzsäure und Pepsin aktiviert nun die Auschüttung von Gastrin, das seinerseits die Magen- und Darmmuskulatur stimuliert und die Bauchspeicheldrüse zur Produktion von Pankreatin veranlaßt. Über diese komplizierte Wirkkette wird letztlich ein verbesserter Aufschluß der Nahrung und eine gesteigerte Nährstoffaufnahme erzielt. Scharfstoffe
Als Scharfstoffe werden Substanzen bezeichnet, deren Wirkung auf der Erregung der Thermo- oder Schmerzrezeptoren in der Haut basieren. Oral verabreicht regen Scharfstoffe in ähnlicher Weise wie die Bitterstoffe die Speichelproduktion, sowie die Magensaftsekretion und die Darmperistaltik an. Äußerlich angewendet (Senfpflaster) üben sie einen starken lokalen thermischen Reiz auf die Haut aus, der über einen noch nicht geklärten Wirkmechanismus entzündungshemmend auf innere Organe wirkt.
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