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Sachinformationen


Gesundheit geht durch den Magen

Erkennungsmerkmale wichtiger Heilpflanzenfamilien

Heilwirksame Inhaltstoffe kommen in fast allen Pflanzen- familien vor. Die Familien, die die größte Anzahl bei uns heimischer Heilpflanzen aufweisen, sind die Lippenblütengewächse (Lamiaceae), die Korbblütengewächse (Asteraceae) und die Doldengewächse (Apiaceae). Wichtige Heilpflanzenlieferanten sind auch die Familien der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae), Rosengewächse (Rosaceae), Liliengewächse (Liliaceae) und die weniger zur Selbstmedikation geeigneten Nachtschattengewächse (Solanaceae).
Die Bestimmung der zahlreichen Heilpflanzen aus diesen Familien erfordert genaue botanische Kenntnisse und darüber hinaus große Erfahrung. Anhand einiger, leicht erkennbarer Merkmale kann man grob die Familien- zugehörigkeit einiger wichtiger Heilpflanzen bestimmen.

Lippenblütengewächse

Lippenblüte

Typisch für die Lamiaceae sind ihre charakteristischen Blüten. Die Kronblätter der Blüten bilden eine Unterlippe, die aus drei verwachsenen Kronblättern besteht und eine Oberlippe, die von zwei verwachsenen Kronblättern gebildet wird. Die Blütenkrone sitzt mit ihrer langgestreckten Röhre in einem mehr oder weniger deutlich erkennbaren, mehrzipfligen, grünen Kelch. In die Oberlippe schmiegen sich zwei kürzere und zwei längere Staubgefäße ein, der Stempel liegt meist tief in der Kronenröhre eingesenkt. In manchen Fällen ist die Oberlippe nicht deutlich ausgeprägt (z.B. bei Gundermann, Glechoma hederacea, Ysop, Hyssopus officinalits).
Die Blätter der Lippenblütengewächsen sitzen kreuz- gegenständig an einem in der Regel vierkantigen Stengel.
Zu den Lamiaceae gehören: Weiße Taubnessel, Lavendel, Zitronen-Melisse, Pfeffer-Minze, Gemeiner Dost, Echter Salbei, Bohnenkraut, Echter Thymian, Rosmarin und Basilikum.
Ein giftiges Lippenblütengewächs ist die Polei-Minze (Mentha pulegium), die man mit der Pfeffer-Minze nicht verwechseln darf!!!

Doldengewächse

Dolde

Die kleinen Einzelblüten der Apiaceae sind fünfzählig, sie bestehen aus fünf einzelnen Kronblättern und fünf Staubblättern, die gleichmäßig um die Blütenachse angeordnet sind (radiär). Mehrere langgestielte Blütchen sind zu einem flachen oder leicht gewölbten Döldchen vereinigt. Die ebenfalls langstieligen Döldchen bilden eine flach ausgebreitete bis kugelige Dolde.
Die Stengel sind oft knotig und hohl. Die Blätter setzen sich meist aus Fiederblättern zusammen, man nennt diese Blattform deshalb gefiedert. Ihr Stiel ist an der Basis oft etwas verbreitert.
Zu den Apiaceae gehören: Dill, Kerbel, Kümmel, Fenchel, Anis, Liebstöckel, Petersilie, Koriander und Engelwurz.
Zu den Apiaceae gehören sehr stark giftige Pflanzen, die der Ungeübte leicht verwechseln kann. Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) und der Wasserschierling (Cicuta virosa), sowie die Hundspetersilie (Aethusa cynapium) und der Wasserfenchel (Oenanthe aquatica). Stark hautreizend ist der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum), der aber durch seine imposante Größe unverwechselbar ist.

Kreuzblütengewächse

Kreuzblüte

Die Blüten der Brassicacaea sind in der Regel recht klein und zu mehreren in Blütenständen am Sproßende (endständig) vereinigt. Die einzelnen Blüten besitzen stets vier freistehende Kronblätter, die, wie der Name verrät, kreuzförmig angeordnet sind. Der Kelch ist ebenfalls vierzipflig. Von den 6 Staubgefäßen sind vier langgestielt und zwei kürzer. Die Blätter sind sehr unterschiedlich gestaltet, oft findet man an einer Pflanze gefiederte und ungefiederte Blätter. Charakteristisch sind die Früchte der Kreuzblütengewächse. Es sind Schoten oder Schötchen, die bei der Reife zweiklappig aufspringen. Sie sind langgestreckt (z.B. beim Senf) oder rundlich (z. B. beim Hirtentäschelkraut).
Zu den Kreuzblütengewächsen zählen:
Schwarzer u. Weißer Senf, Hirtentäschelkraut und Meerrettich.

Korbblütengewächse

Korbblüte

Bei den Asteraceae stehen viele kleine Einzelblüten zusammen in einem flachen (z.B. Gänseblümchen) bis gewölbten (z.B. Echte Kamille) Körbchen. Der Blütenkorb ist von einem Kranz grüner Außenhüllblätter umgeben, so daß er oft für eine große Einzelblüte gehalten wird. Die peripheren Einzelblüten sind oft als Zungenblüten mit einer aus drei bis fünf Kronblättern verwachsenen weitherausstehenden Zunge und einer kurzen Blütenröhre ausgebildet, die inneren Röhrenblütchen sind langröhrig und fünfzipflig. Die fünf Staubbeutel bilden um den Griffel eine enge Röhre. Manche Blütenköpfe bestehen nur aus Zungen- oder nur aus Röhrenblüten. Die Blätter stehen wechselständig und sind von Art zu Art sehr unterschiedlich gestaltet.
Zu den Asteraceae gehören: Rainfarn, Echte Kamille, Huflattich, Arnika, Gemeine Goldrute, Gänseblümchen, Schafgarbe, Ringelblume, Wegwarte, Löwenzahn, Wermut, Gemeiner Beifuß und Estragon.
Ein giftiges Korbblütengewächs, das man nicht mit den Heilpflanzen verwechseln darf ist der Gift-Lattich (Lactuca virosa)!

Rosengewächse

Rose

Unter den Rosaceae findet man Kräuter, Sträucher und Bäume.
Die einzelnen Blüten sind unscheinbar klein (z.B. Frauenmantel) bis prächtig entwickelt (z.B. Rose). Sie zeigen einen radiären Aufbau aus in der Regel 5 freien Kronblättern, einen Kranz aus meist vielen Staubgefäßen und einen deutlich erkennbaren Griffel in der Mitte. Die zipfligen Kelchblätter ragen manchmal deutlich zwischen den Kronblättern hervor. Die Blüten stehen einzeln oder in einem Blütenstand vereinigt. Die Blätter sitzen wechselständig am Stengel und sind oft gefiedert.
Zu den Rosaceae gehören: Hunds-Rose, Brombeere, Himbeere, Schlehe, Weißdorn, Frauenmantel, Fingerkraut, Blutwurz, Odermennig und Eberesche.
Giftige Pflanzen sind der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), der oft als Zierstrauch angepflanzt wird. Vorsicht ist auch geboten bei den Beeren der Eberesche (Sorbus aucuparia), die in größeren Mengen verzehrt Gesundheitsstörungen hervorrufen können.

Liliengewächse

Lilie

Liliengewächse besitzen in der Regel Zwiebeln, Knollen oder verdickte unterirdische Sprosse (Rhizome) als Speicherorgane. Die meist ungestielten Blätter sitzen in breiter Basis am Stengel, die Blattadern verlaufen parallel. Die Blüten sind radiär mit meist sechs Kronblättern, ein Kelch fehlt.
Zu den Liliengewächsen gehören:
Knoblauch, Küchenzwiebel und Schnittlauch.
Giftig sind Arten des Germer (Veratrum spec.), Herbstzeitlose (Colchicum autumnale), Maiglöckchen (Convallaria majalis) [nicht zur Selbstmedikation geeignet], Salomonssiegel (Polygonatum spec.) und Milchstern (Ornithogalum spec.).

Viele Pflanzenfamilien sind nur mit wenigen Arten unter den Heilpflanzen vertreten. Es ist einfacher, diese Pflanzen einzeln kennenzulernen ohne sich die charakteristischen Familienmerkmale einzuprägen.
Die Bestimmung von Bäumen und Sträuchern ist im Vergleich zu den Kräutern recht einfach, da sie oft recht charakteri- stische Blattformen besitzen, wie z.B. Linde, Eiche, Holunder.

Heilpflanzen - Selber angebaut

Einige Heilpflanzen, speziell die verdauungsfördernden Küchenkräuter, lassen sich problemlos auf der Fensterbank anziehen. Die Samen sind in Samenhandlungen erhältlich. Als Anzuchtgefäße eignen sich flache Pflanzschalen. Die Samen werden dünn und gleichmäßig auf Anzuchterde ausgelegt und mit wenig Erde leicht übersiebt (gilt nicht bei Lichtkeimern; auf die Angaben auf den Samentütchen achten). Man befeuchtet sie mit der Sprühflasche, stellt die Kästen an einen warmen, hellen Platz und achtet darauf, daß sie nicht zu trocken werden. Sind die Pflänzchen herangewachsen, hebt man sie mit einem flachen Gegenstand (Spatel, Messer) vorsichtig einzeln aus den Schalen und verpflanzt sie in vorbereitete Töpfe oder Blumenschalen. Sie erhalten einen Platz an einem hellen Fenster, auf einem Balkon oder im Garten. Verschiedene Gewürzkräuter, wie Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, kann man direkt in Blumentöpfen aussäen. Manche Kräuter entwickeln beachtliche Größen. Rosmarin, Dost, Zitronen-Melisse, Salbei können zu dichten Büschen heranwachsen. Sie muß man umtopfen und bei Bedarf teilen. Kräuter, die sich schwer oder nur vom erfahrenen Gärtner aus Samen heranziehen lassen, bekommt man auch als kleine Pflanzen im Gartenfachbetrieb. Man kann sie leicht in größere Töpfe und Schalen umpflanzen. In Töpfen kultivierte Kräuter müssen ca. alle vier Wochen gedüngt werden.

Heilpflanzen bei Magenbeschwerden

Eine ausgewogene, gesunde Ernährung ist die Grundlage für Fitneß, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.
Trotzdem kommt es gerade in der heutigen Zeit, in der wir die exotischsten Lebensmittel zu jeder Jahreszeit in beliebigen Mengen konsumieren können, gegen alle guten Vorsätze und wider besseren Wissens zu häufigen Magen- und Darmbeschwerden. Hinzu kommen Streß und Hektik im Alltag, die sprichwörtlich auf den Magen schlagen. Symptome sind Sodbrennen, Völlegefühl, Magendrücken, Blähungen, in schlimmeren Fällen Koliken, Entzündungen der Magen- und Darmschleimhaut, bis hin zu Geschwüren.
Hektik in Verbindung mit Ernährungsfehlern kann je nach Veranlagung Verstopfung oder Durchfall verursachen.
Leichteren Magen- und Darmverstimmungen kann man gezielt vorbeugen, indem man bei der Zubereitung der Mahlzeiten das reiche Repertoire der Gewürzkräuter nutzt. Majoran, Estragon, Dill, Petersilie, Kerbel, Kümmel und andere beeinflussen positiv die Verdauung, fördern die Magensaft- und Galleproduktion und beugen im Darm Gärungsprozessen vor.
Hat man dennoch zu reichlich, zu fett gegessen, helfen Heilpflanzen nachträglich, unangenehme Verdauungsbeschwerden zu vermeiden. Dies sind Pflanzen, die sich durch einen hohen Gehalt an Bitterstoffen auszeichnen (z.B. Löwenzahn, Wermut, Schafgarbe, Wegwarte) oder sogenannte Scharfstoffe besitzen (Knoblauch und Küchenzwiebel).

Wirkstoffgruppen

Bitterstoffe

Der Name beruht auf dem intensiv bitteren Geschmack dieser Verbindungen. Bitterstoffe wirken über den Geschmack stimulierend auf die Sekretion von Speichel, Magensaft und Galle. Die Wirkung geht von einer Erregung der Nervenzellen in den Geschmacksknospen der Zunge aus. Diese Nervenzellen stehen mit Rezeptorzellen, die die Geschmacksknospen auskleiden in Verbindung. Bitterstoffe docken an der Oberfläche dieser Rezeptoren an und lösen den Geschmacksreiz aus. Er wird über den Nervus glossopharyngeus weitergeleitet. Reflektorisch werden die Speicheldrüsen und die für die Produktion von Magensaft verantwortlichen Drüsenzellen anregt. Die Freisetzung von Salzsäure und Pepsin aktiviert nun die Auschüttung von Gastrin, das seinerseits die Magen- und Darmmuskulatur stimuliert und die Bauchspeicheldrüse zur Produktion von Pankreatin veranlaßt. Über diese komplizierte Wirkkette wird letztlich ein verbesserter Aufschluß der Nahrung und eine gesteigerte Nährstoffaufnahme erzielt.
Chemisch sind Bitterstoffe keine einheitliche Stoffklasse. Es handelt sich um hochmolekulare Verbindungen, die in der Regel über aromatische Ringe verfügen. Man unterscheidet sogenannte terpenoide Bitterstoffe, deren Bausteine Mono-, Sesqui-, Di-, und Triterpene sind, sowie nichtterpenoide Bitterstoffe, z.B. Phloroglucinverbindungen, wie Humulon und Lupulon im Hopfen, das Trisaccharid Gentinose in Enzian oder das Alkaloid Chinin in der Chinarinde.

Scharfstoffe

Als Scharfstoffe werden Substanzen bezeichnet, deren Wirkung auf der Erregung der Thermo- oder Schmerzrezeptoren in der Haut basieren. Oral verabreicht regen Scharfstoffe in ähnlicher Weise wie die Bitterstoffe die Speichelproduktion, sowie die Magensaftsekretion und die Darmperistaltik an. Äußerlich angewendet (Senfpflaster) üben sie einen starken lokalen thermischen Reiz auf die Haut aus, der über einen noch nicht geklärten Wirkmechanismus entzündungshemmend auf innere Organe wirkt.
Chemisch sind Scharfstoffe Säureamidverbindungen (in Paprika), Senföle (in Senfsamen) oder Sulfidverbindungen (in Knoblauch und Küchenzwiebel).


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