Meditationsgarten am Maierhof des Klosters Benediktbeuern
Seit September 2000 gibt es einen Meditationsgarten am Maierhof:
Dank einer großzügigen Spendenzusage von Seiten Bad Heilbrunner Reform-Diät-Arznei GmbH & Co. konnte mit der Verwirklichung des Meditationsgartens begonnen werden: Auf klostereigenem Gelände entstand ein Meditationsgarten, der sich an die archaische Kunstform eines Labyrinths anlehnt.
Der Grundriss des Benediktbeurer Labyrinths orientiert sich an dem berühmten Bodenlabyrinth in der Kathedrale von Chartres, das seit dem 12. Jahrhundert n.Chr. den Eintretenden empfängt.
Der Meditationsgarten ist geh- uns sehbehinderten gerecht angelegt. Er ergänzt und erweitert das Angebot innerhalb des ganzheitlichen und integrativen Grundkonzepts des Zentrums für Umwelt und Kultur.
Im Meditationsgarten sind wie im Phylogenie-Garten (siehe Kräutergarten Benediktbeuern) vorwiegend Stauden und zur optischen Gliederung einige wenige Gehölze angebaut.
Diesmal liegt der Schwerpunkt jedoch nicht auf der Veranschaulichung der Entwicklungsgeschichte sondern stellt vielmehr historische, heilkundliche, kulinarische, erlebnispädagogische oder als Symbole bedeutsame Exemplare in den Mittelpunkt.
Entsprechend dem streng klassischen Vorbild wird man im Benediktbeurer Meditationsgarten nicht auf Kreuzungen oder Sackgassen stoßen, wie das in einem Irrgarten der Fall wäre.
Satt dessen wird der Besucher auf dem 160 m langen Natursteinweg an vier Beetkreisen entlanggeleitet, die themengebunden bepflanzt sind. Jedem dieser thematischen Beetkreise sind eine Leitpflanze mit einem Leitsatz sowie fünf charakteristische Begleitpflanzen zugeordnet.
Die Labyrinthkreise sind umrahmt von Kräuterbeeten, die vier Themenbereichen zuzuordnen sind:
Der erste Beetkreis ist den "Kräutern für alle fünf Sinne" gewidmet.
Entsprechend dem Goethe´schen Ausspruch "Ich fühle mit sehendem Aug´ und sehe mit fühlender Hand" wurde Muskateller Salbei als Leitpflanze gewählt, da er unsere Sinne besonders anspricht.
Neben echtem Jasmin und Lavendel sowie Mohn und Sonnenblume ist ihm außerdem die Felsenbirne beigesellt.
Für Augen und Ohren, Hand, Nase und Zunge treibt diese bereits vor den Blättern im zeitigen Frühjahr duftig weiße, seidig zarte Blütentrauben und trägt im Sommer dann aromatische Beeren. Im Herbst schließlich verfärbt sich ihr Laub ins flammende Rot, so dass wie eine Fackel leuchtet. Und ein paar Wochen später raschelt ein bunter Blätterteppich unter den Füßen.

Der zweite Beetkreis soll "Kräutern für die Küche" gewidmet sein.
Als Leitpflanze wurde eines der ältesten Küchenkräutern gewählt: Die Petersilie.
Homer erwähnt sie bereits in seiner "Odyssee". In Mitteleuropa fand sie schon in der Jungsteinzeit Verwendung. Aber erst seit Karl dem Großen, der ihren Anbau im ganzen Land befahl, erfreute sie sich zunehmender Beliebtheit.
Dass sie nicht nur zum Verfeinern von Mahlzeiten geeignet ist, sondern - zumindest zeitweise - den Medizinalpflanzen fast näher stand, spiegelt sich in dem Sprichwort: "Petersilie hilft dem Mann auf Pferd, den Frauen unter die Erd."
Als typische Vertreter für die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten heimischer Kräuter in der Küche beispielsweise als Wildgemüse oder Gewürz, Tee oder Marmelade wurden Angelika, Knoblauch, Oregano, Große Brennessel und Hundsrose gewählt.

Der dritte Beetkreis ist den Benediktbeuern Apothekerkräutern gewidmet.
Er ist traditionellen "Kräutern, die heilen" vorbehalten.
In diesem Beetkreis sind vor allem Pflanzen angebaut, die in dem mittelalterlichen Receptar eines anonymen Benediktiner-Mönches von Benediktbeuern überliefert sind und die von der "Bad Heilbrunner Reform-Diät-Arznei GmbH & Co." zu Teebeuteln verarbeitet werden.
Zur Leitpflanze wurde das Johanniskraut erkoren. Als universelles Heilkraut traditionell verwendet und durch moderne, wissenschaftlich-klinische Forschung in einigen seiner Heilwirkungen bestätigt, soll Johanniskraut "...nützlich zu gebrauchen zu den zerknirschten und zerstossenen Nerven..." sein (Baseler Kräuterbuch, 1731).
Beigestellt sind dieser zur Sommersonnnenwende in voller, gelber Blütenpracht erstrahlenden Staude kräftig duftende Pfefferminze, milde verströmende Melisse, rauen Hals lindernder Salbei, beruhigender Baldrian und entzündungshemmende Kamille.

Der vierte und innerste Beetkreis stellt einige "Symbol-Kräuter" vor.
Ihre Verwendung als Symbolpflanzen reicht meist weit über das christlich geprägte Abendland hinaus bzw. zurück.
Eine besondere Stellung nimmt in den drei monotheistischen Hochreligionen des Buches die Rose ein.
Symbolträchtiger Genuss wohnt ferner der Erdbeere (Sinnbild edler Demut und Bescheidenheit) inne, und die Mariendistel mit ihren weiß-grün gemusterten, stacheligen Blättern - vor allem direkt unterhalb der Blüte - lässt der tastenden Hand unschwer stechende Schmerzen erahnen.
Die als Symbol der Reinheit geltende Madonnenlilie zierte bereits weit vor dem Mittelalter abendländische Bildwerke wie auch Mosaike des Orients.
Anders dagegen der immergrüne Efeu. Er gibt jedem aufmerksamen Betrachter ein augenfälliges Beispiel ewiger Wandlung: Während die Blätter der Jungpflanze deutlich dreigelappt sind, wandelt sich diese Blattform fast unmerklich über viel Zwischenstufen zu den ganzrandigen Blättern des blütentragenden Sprosses. Zuletzt der Frauenmantel mit seinen silbrig glänzenden Guttationstropfen nach einer feuchten Nacht. Er wurde als Grundstoff zur Gewinnung des Steins der Weisen verwendet, fühlt sich wunderbar samtig an findet als Tee seinem Namen entsprechende Verwendung und schließt somit den Bogen zu den anderen Beetkreisen.

Übersichtsskizze des Klosters Benediktbeuern
Adresse:
Zentrum für Umwelt und Kultur
Kloster Benediktbeuern
Zeilerweg 2
83671 Benediktbeuern
http://www.zuk-bb.de
Ansprechpartnerin und weitere Informationen:
Angela Hein
Tel. 08857-88701 oder 08857-88761
Fax 08857-88769
E-Mail: zukujb@t-online.de
Öffnungszeiten:
Der Garten im Maierhof des Klosters Benediktbeuern ist jederzeit öffentlich zugänglich.
Der Eintritt ist frei.
Auf Wunsch können Führungen organisiert werden. Wenden Sie sich in diesem Fall an Frau Angela Hein (s.o.)
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